Drehgestell für Publikumswagen

  • Hallo Leute

    Eben war ich noch im Klub beim diesjährigen Andampfen. Dabei hab ich um ein Haar ein alte Oma und ihren kleinen Spitz-Hund mit einer 7,25" Rob Roy überfahren.

    Die aufgeständerte Strecke geht ebenso wie die ebenerdige Strecke durch einen öffentlichen Park, die Leute laufen überall herum, obwohl es einen Weg rundherum gibt.

    Die alte Dame schafft es gerade noch über die Gleise zu klettern, der kleine Spitz hat aber Angst. Ich seh das aus der Ferne und lasse die Pfeife schrillen. Oma klettert dennoch nochmal zurück und greift sich die Töle, um gleich wieder zurückzuklettern. Notbremsung, Gegendampf und Gebrüll alles half nichts, der Zug hatte einfach zuviel Masse und es ging auch noch leicht bergab. Es fehlten nur ein paar cm und ich hätte Oma erfaßt. Das wäre ein dummes Andampfen gewesen.

    Gleichzeitig wurden einige der neuen Drehgestelle (man könnte sagen von Typ Jakobs) ausprobiert an denen schon seit längerer Zeit gebaut wird. Dieses Drehgestell hier ist schon seit letzten Herbst fertig und hat schon einige Testfahrten mitgemacht, der Prototyp sozusagen, schon mit etwas Rost. Die 'Serie' kriegt ordentliche Farbe...

    in Stichworten:
    7,25 Zoll, Achsen rotieren nicht, die Räder haben innen Rollenlager
    Druckluftbremse, Bremsenteile von PNP Railways
    Federung aus preiswerten und leicht wieder zu beschaffenden Blöckchen von Silikongummi

    Schaut mal rein... Vielleicht helfen diese Bilder jemandem weiter.

  • Hallo Johannes,
    laufen die Räder einzeln auf der Achse, oder sind sie mit einem Rohr, sprich Hohlwelle verbunden?
    Der Sinn der Frage ist der, dass der Sinuslauf bei einzelnen Rädern nicht mehr gegeben ist und mit einem höheren Verschleiß an den Rädern und/oder auch an dem Schienenmaterial zu rechnen ist. Weil sich die Drehgestelle schrägstellen können und somit die Spurkränze an der Schiene schleifen.
    Ich gehe mal davon aus, dass der Konstrukteur der Drehgestelle das berücksichtigt hat.

    Zu diesen sogenannten Losrädern war schon ein Artikel in der Zeitschrift Gartenbahnen. Dort wurde auf das Problem hingewiesen. Allerdings für Feldbahnen die um sehr kleine Radien fahren sollten.

    Den Autor treffe ich Ostersonntag, der baut grad für Panki was. :whistling:

    Gruß Arno

    Kunst kommt von Können, weil wenn es von wollen käme hies es Wunst.

    • Offizieller Beitrag

    Moin zusammen,

    ich hab' auch noch einen: Kleinhaltung der ungefederten Masse?!?

    Ich würde immer erst bremsen, dann pfeifen, dann....

    Gruss
    Hinrich

    Wie soll ich wissen was ich denke bevor ich höre was ich sage ?(

  • Hallo,
    es gibt aber auch noch ein Problem, wer was war eher da - die Löcher oder die Räder :D
    Aber mir ist auch noch etwas eingefallen, vielleicht sogar sinnvoll. Kann man eine Eisenstange durchstecken und die Lok mechanisch blockieren.
    Aber wie ich Johannes kenne, hat er eine technische Abhandlung darüber.
    Grüße
    Wolfgang

    † 2017

  • Hallo,

    da hast du ja noch mal Glück gehabt. Wenn man die Leute dann anmeckert beschweren die sich gleich anschließend beim Club-Präsident. Vielleicht sollte man die Anlage noch höher aufbocken, damit die Leute bequem drunterdurchlaufen können. ^^

    Gruß,

    chris69

  • Hallo Johannes,
    nachdem ich mir jetzt mal die Bilder genauer angesehen habe stellen sich mir mehrere Fragen.
    1. Bremszylinder. Wenn ich richtig sehe, habt ihr einen Dppelkolbenzylinder mit mittiger Rückholfeder verwendet. Aus Platzgründen? Ihr verwendet ein aktives Bremssystem?
    2. Die senkrechten Stifte auf der Mitteltraverse nehmen die Wagenkästen auf? Wenn ja, wären da nicht Sicherungen angebracht. Musste leider schon mal eine Zugtrennung durch fehlende Sicherung bei ähnlichen Drehgestellen erleben.
    3. Sind die Stützrollen nicht extrem dicht beieinander? Diese erlauben nur große Kurvenradien bevor sich die Wagenkästen auf einer Seite berühren bzw auf der anderen Seite von den Rollen laufen.
    Volker

  • Hallo Leute
    Die Antworten auf die anstehenden Fragen

    1. Rad-Achsen: Ich werde versuchen, die Konstruktionszeichnung zu finden, und werde sie dann hier zeigen.

    2. Die Löcher in den Rädern: Den genauen Grund dafür kenn ich nicht, vermute aber, daß da ein preiswerter Batch von Rädern Verwendung fand, der beim Hersteller ursprünglich für Feldbahnloren geplant war.

    3. Diese Drehgestelle sind so ausgedacht, daß sie bei der aufgeständerten Stecke (Hauptnutzung) aber auch bei der ebenerdigen Strecke verwendet werden können. Bei der aufgeständerten Stecke muß die Bauhöhe so niedrig wie möglich gehalten werden, daher sind die Drehgestelle idT so niedrig, daß die Bremsstangen um die Achsen herumgehen müssen. Es wird aktiv mit Druckluft gebremst werden: Auf dem Tender befindet sich ein batteriebetriebener kleiner Kompressor und ein Druckbehälter (ehemaliger Gaszylinder für ein Prüfgas bei einer medizinischen Apparatur). Druck auf die Bremsltg -> Bremswirkung - Kein Druck -> Bremse löst sich. Es gibt sogar Clubs, die ganz auf den Kompressor verzichten und nur beim Halt in der Station Druckluft von einem zentralen System über eine Schnellkupplung 'nachtanken'.

    4. Bei den senkrechten Zapfen werden die Wagenkästen eingehängt. Bei der aufgeständerten Stecke liegt der Schwerpunkt eines Wagens so niedrig, daß ein Wagenkasten kaum von den Zapfen ausrasten kann. Ein Zug auf der aufgeständerten Stecke kann zwar entgleisen aber wahrscheinlich kaum umstürzen, da die Sitzfläche nur wenige cm über SOK liegt und die Fahrgäste wie auf einem Pferdesattel sitzen. Die Fußstützen zu beiden Seiten des Wagens sind durchgehend und sind auch dazu bestimmt, ein Umkippen unmöglich zu machen. Die Vorgängerversion der Drehgestelle hat die identischen Zapfen, daher wurde das System beibehalten. Am Ende eines Betriebstages kann man die Wagenkästen einfach von den Drehgestellen abheben und im Schuppen stapeln. 'Zugtrennung' ist hier sogar einfach...
    Volker hat Recht: Beim Einsatz auf der ebenerdigen Strecke ist alles anders, und die Verwendung von zB zusätzlichen Sicherungsstiften wäre angebracht.

    5. Unter den Sitzwagen sind an den Enden Platten mit Löchern, die bei den Zapfen der Drehgestelle eingehängt werden. Die Platten selbst enden nicht gerade/rechteckig, sondern mit einem großen Kreisbogen. Die Platten lagern auf den Rollen. In einer Kurve verhindert die Abrundung der Platten, daß diese sich zu nahe kommen oder sogar kollidieren. Die früheren Drehgestelle haben die indentische Geometrie und es gab (meines Wissens nach) auf unserer Strecke nie ein Problem. Denn: Hier gehen bei Besuchen auf anderen Strecken natürlich nur Loks und Tender auf Reisen, nicht die Wagen. Die Wagen sind daher uU streckenspezifisch.

    Einmal editiert, zuletzt von Johannes Grabsch (14. April 2014 um 22:18)