Drei Wagen für den Tenwheeler

  • Hallo Zusammen,

    nachdem mein Tenwheeler und der dazu passende Caboose fertig gestellt sind, wollte ich, dass sich noch ein paar passende Wagen dazugesellen. In der der angenommenen Zeitperiode der Lok wurde im Wagenbau noch viel mit Holz gearbeitet. Obwohl ich noch genug U-Eisen 30x15 auf Lager hatte, habe ich mich für ein Holz-Chassis entschieden.

    Um die Drehgestelle musste ich mich nicht kümmern, die konnte ich vom Waldbahner a.D. nach Auflösung seiner BCR übernehmen. Weil das 6 Stück waren, stand fest, dass es drei Wagen werden mussten.

    Als Vorbild (oder besser Inspiration) habe ich mir einen Wagen der Denver South Park & Pacific ausgesucht, denn die Länge von 26' harmoniert sehr gut mit dem Platz in meinem Transportanhänger. Außerdem kann der Flachwagen sehr universell an die verschiedensten Transportaufgaben, wie später noch gezeigt wird, angepasst werden.

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    Wertvolle Anregungen habe ich auch aus diesem Video gezogen.

    Da ich meine eigene Bahnverwaltung bin, habe ich mir bei der Konstruktion durchaus Freiheiten genommen. Am Anfang stand ein Besuch im Baumarkt meines Vertrtauens, um zu sehen, welche Hölzer im Regal standen. Daraus ergab sich, dass der Rahmen aus Vierkantstäben 28x28 mm bestehen sollte. Damit machte ich mich dann an die Konstruktion in Fusion360. Der erste Entwurf sah dann so aus:

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    Nachdem ich mir die Detailzeichnungen aus Fusion360 heraus erzeugt hatte, konnten die Stäbe gesägt und vorgebohrt werden. Außerdem habe ich mir auch eine Lehre entworfen und gedruckt, mit der die Ausrichtung der Stäbe zum Kopfbalken einfach und winkelgerecht möglich ist. Die Kopfbalken sind mit den Längsbalken über 4 mm - Gewindestangen verschraubt und auch mit Holzleim verklebt. In den Längsbalken habe ich dazu mit 3,2 mm vorgebohrt und den Gewindestift mit dem Akkuschrauber eingeschraubt:

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    Hier sieht man die Teile für das Chassis auf einem Blick:

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    Die Rungenhalter habe ich mit meinem SLA-Drucker aus ABS-Grade-Resin gedruckt, weil mir das Druckbild des Filamentdruckers wegen der Überhänge nicht gefallen hat. Weil sie einerseits durch die Deckbohlen und andererseits durch die Befestigungsbügel geschützt sind, hoffe ich auf ein langes (Modell-) Leben...

    Für die 48 Befestigungsbügel aus 3 mm Messing rund habe ich mit ein kleines Werkzeug gebaut, mit dem ich die Messingstangen nach dem Gewindeschneiden U-förmig abbiegen kann. Im Prinzip wird die Messingstange zwischen zwei 3 mm -Stahlplättchen gehalten und dann im Schraubstock mit Hand und Zange gebogen:

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    Jetzt konnte alles verschraubt werden. Danach erfolgte ein Anstrich mit einer Holzschutzfarbe in Schwedenrot (Falunrot), der "Hausfarbe" meiner Bahnverwaltung, außerdem wurde auch die Beschriftung (Schneidplotter) angebracht:

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    Zum Schluss wurden dann noch die Deckhölzer (5 x 40 mm) im Farbton Walnuss gebeizt, verklebt und mit Hilfe einer gedruckten Lehre vernagelt:

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    Nach Montage der Drehgestelle und der Zug- und Stoßvorrichtungen war dann der erste Wagen fertig:

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    Noch ein Wort zu den Zug- und Stoßvorrichtungen: Die damaligen US-Bahnen verwendeten eine Kupplung, die nach außen einer Rockinger-Kupplung, wie sie aus dem LKW-Bereich bekannt ist, ähnelt. Weil ich die Wagen aber freizügig mit meinem restlichen Wagenpark verwenden will, habe ich meine Standard-Mittelpuffer-Kupplung eingebaut. Weil ich meine Kupplungshaken aus M5-Spannschlössern für Seilsysteme gewinne, konnte ich die übrig gebliebenen Teile für die Untergurte der Wagen verwenden, ein angenehmer Nebeneffekt.

    Fortsetzung folgt!

  • Was ich noch vergessen habe: um Längskräfte besser aufzunehmen habe ich in der Wagenmitte noch eine durchlaufende M4-Gewindestange eingebaut, die an den Kopfenden verschraubt wird. Wenn man genau hinsieht, erkennt man das auf den beiden vorletzten Bildern.

    Nachdem der erste Wagen als "Prototyp" fertig war, konnte die Serienfertigung (der restlichen beiden Wagen) beginnen. Einer der beiden Wagen ist auch wieder ein Flachwagen geworden, der andere ein Tankwagen, aber das kommt erst im nächsten Post...

    Ein Flachwagen im Zug ist zwar ganz nett, netter ist der aber mit Beladung. Ursprünglich wollte ich mir Holzstämme besorgen und noch Rungen anfertigen, dann kam mir aber eine andere Idee. Auf einem Flachwagen kann man ja auch ein Fahrzeug transportieren. Gedacht hatte ich an sowas wie ein Ford Model T oder ähnlich. Problem: gibt es zwar in 1:24, aber nicht in 1:8 zu kaufen. Aber zu was habe ich denn meinen 3D-Drucker...

    Bei der Recherche bin ich bei thingiverse.com auf das Modell eines Chase runabout gestoßen. Der Autor hat das Modell in 1:16,6 konstruiert, aber mit dem Slicer kann man ja einfach skalieren. Ganz so einfach war's dann doch nicht, denn einige Teile wurden durch die Skalierung zu groß, sodass ich die schneiden musste. Die nur lose zusammengesteckten Teile sahen dann so aus:

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    Dann ging's ans glätten. Beim Tender des Tenwheelers hatte ich ja einen dünnen Überzug aus Epoxydharz verwendet, der sowohl als Füller als auch als Haftvermittler diente. Allerdings hatte ich da so meine Probleme mit Fehlstellen. Durch einen Artikel auf hackaday.com inspiriert habe ich dann was Neues ausprobiert: Harz von meinem SLA-Drucker. Das kann mit einem Schaumstoffpinsel recht gleichmäßig aufgetragen werden, haftet hervorragend auf dem PETG und lässt sich gut schleifen. Gröbere Stellen habe ich vorher mit Nitrospachtel ausgebessert. Nach dem Auftrag muss man es nur mit UV-Licht behandeln, ich verwende dazu einen 10W-LED-Strahler (oder die Sonne...). So sah dann der Body nach dem ersten Farbauftrag aus:

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    Einige Zurüstteile, wie z.B. die Lampen, die Kurbel, das Kühlergitter oder das Firmenlogo, habe ich mit meinem SLA-Drucker aus Harz gefertigt, weil die im Filamentdrucker nicht oder nur mit viel Nacharbeit zu drucken gewesen wären. Zum Abschluss kam dann noch eine Schicht Klarlack über das ganze Auto:

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    Damit das Auto sicher auf dem Flachwagen steht, habe ich dann noch Unterlegkeile konstruiert. In den Keilen ist ein Neodymmagnet 6x3mm eingelassen, der mit einem Gegenpart im Holzbelag des Flachwagens zusammenwirkt:

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    Außerdem gibt es an den Wagenenden und in der Mitte Ösen, in die eine Kette eingehängt werden kann.

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    Die Kette wird mit einem Spannglied (Wantenspanner M2 aus dem Schiffsmodellbau) gespannt, in Zusammenwirken mit den Unterlegkeilen ist das Auto jetzt optimal transportgesichert.

    Weil ein Auto auf dem Flachwagen etwas einsam aussah, habe ich dann noch ein Zweites gebaut, diesmal einen Pickup. Der basiert auf den gleichen Teilen wie der Runabout, daher kannte ich mich ja schon aus...

    Beschildert ist er als Eigentum der M.M.R.R. (Monk Meadow RailRoad, meine "eigene" Bahngesellschaft), deshalb auch die gleiche Farbe wie der Flachwagen (Schwedenrot bzw. RAL3009 - Oxydrot):

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    Auf der Ladefläche liegt dann noch etwas Arbeit herum:

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    Spaßeshalber habe ich den kompletten Flachwagen als stl exportiert und dann im Maßstab 1:87 mit dem SLA-Drucker gedruckt. Die Drehgestelle kommen von thingiverse und sind nur Platzhalter:

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    Es ist schon erstaunlich, dass selbst die Spannschlösser noch richtig dargestellt werden. Ob allerdings die Gewinde auf den Zugeisen funktionstüchtig sind, weiss ich nicht ;) .

    Im letzten Teil geht es dann um den Tankwagen.

    Fortsetzung folgt.

    Einmal editiert, zuletzt von Livesteamer (17. März 2022 um 11:48)

  • Der dritte Wagen wird, wie zuvor schon angedeutet, ein Tankwagen. Einer der Gründe ist der Wasserverbrauch des Tenwheelers. In Friedrichshafen musste ich spätestens nach drei Runden Wasser nachfüllen, der Tender fasst netto ca. 8 L. In weiser Voraussicht hat der Tender an der Rückseite einen absperrbaren Wasseranschluss, so dass ein zusätzlicher Behälter angeschlossen werden kann.

    Inspiriert für meinen Tankwagen haben mich verschiedene Bilder von Tankwagen der D&RGW und der SP Narrow Gauge:

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    Diese Tankwagen waren auch beim Vorbild Wasserwagen, vermutlich um abgelegene Siedlungen oder Bergbaucamps mit Wasser zu versorgen. Das Ventil am Dom ist ein Belüftungsventil, damit der Tank nicht implodiert. Auf dem Foto recht gut zu erkennen (und in der Literatur beschrieben) ist, dass das Fahrwerk von einem Flachwagen verwendet wurde. Der Tank liegt auf ausgeschnittenen Querbalken und ist mit Bändern am Rahmen fixiert. Deshalb brauchte ich nur noch diese Querbalken und den Tank als Zeichnung. In Fusion360 sah das dann so aus:

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    Für den Tankzylinder besorgte ich mir beim Baustoffhändler ein Meterstück 200mm - KG-Rohr, von dem ich die Muffe abschnitt.

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    Ganz rund war der Zylinder leider nicht, die beiden Hauptachsen unterschieden sich um +-2mm. Das berücksichtigte ich bei der Konstruktion der Endkappen, die wieder als Druckteil entstanden:

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    Die linke Endkappe ist bereits mit UV-härtendem Harz vorbehandelt, man sieht hier sehr schön den Unterschied der Oberfläche im Vergleich zum Roh-Druckteil. Weil mir die Dichtungsfläche des KG-Rohrs (~4mm Wandstärke) zu gering erschien, habe ich eine Ringplatte gedruckt, die mit dem KG-Rohr verklebt wird. Die muss keine Kräfte aufnehmen, ihr Zweck ist, dem Dichtungsmaterial (Aquarium-Silikon) eine größere Fläche zur Verfügung zu stellen:

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    Mechanisch gesichert werden die Endkappen durch eine Zugstange (5mm), die beidseitig verschraubt wird.

    Die Nietenreihen habe ich ebenfalls gedruckt und auf das KG-Rohr geklebt. Die Rundung war kein Problem, weil ich die planen Streifen mit der Heißluftpistole (vorsichtig) warmgemacht habe und dann über ein Stück Rohr gehalten erkalten ließ.

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    Den Tank habe ich dann in Silber lackiert und mit Beschriftung versehen. Dann habe ich Aquariumsilikon auf die Querträger gegeben und den Tank mit zwei Edelstahlbändern aus dem Lüftungsbau am Rahmen befestigt:

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    Hier sieht man auch den Entnahmestutzen und die Rohrleitung zum Tender hin.

    Die Beschriftung weist den Tank als Eigentum der "WSC" aus, das ist meine fiktive "Water Supply Company", die das Fahrgestell von der MMRR gemietet hat. Beim Logo dieser Firma habe ich mich an das Logo des Wasserwagens der SSN - Stoom Stichting Nederland, der oft hinter deren 01 1075 läuft, orientiert:

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    Die Rungen sind wiederum gedruckt, das Stahlseil bei meiner Balkonbeschattung übrig geblieben.

    Am ersten Fahrtag auf der Anlage des BDV eV in Baiernrain war dann der "Rollout" der Wagen, allerdings hinter der Lok 3, die ebenfalls auf Werksprobefahrt war:

    Video

    Damit sind die drei Wagen fertig. Aber wie heisst es so schön: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel". Ein oder zwei Personenwagen für einen GmP wären nicht schlecht:

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    Bis dahin

    Grüße

    Andreas

    3 Mal editiert, zuletzt von Livesteamer (24. März 2022 um 17:43) aus folgendem Grund: Vergeblicher Versuch, Video einzubetten

  • Am Ostersonntag war es dann endlich soweit, der Tenwheeler und die drei Wagen fuhren das erste mal zusammen auf unserer Anlage:

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    Für den leeren Flachwagen hat sich auch noch (10 lfm) Ladegut gefunden. Die Rungen sind nur gesteckt und (natürlich) gedruckt. Damit sie die Kräfte besser überstehen, haben sie ein Innenleben aus einem 2,5mm - Federstahldraht, der in eine Nut eingelegt und dann "überdruckt" wird. Bei Gelegenheit muss ich mal einen Biegeversuch machen, die Fahrt am Sonntag haben die Rungen jedenfalls ohne Blessuren überstanden.

    Grüße

    Andreas

    P.S.: Der Lokführer ist übrigens der Gleiche wie mein Avatar. Wie die Zeit vergeht....

    Einmal editiert, zuletzt von Livesteamer (19. April 2022 um 18:44)