Der Gott der Maßstäblichkeit meint es ausgesprochen gut mit uns!
Selbst wer für theoretische Betrachtungen und Auslegungsberechnungen wenig übrig hat und seine Modelle rein empirisch oder intuitiv als (ungefähr) maßstäbliche Verkleinerung des Vorbilds entwirft und baut, kann sich glücklich schätzen, dass sich bei Verkleinerung die Physik gleich mehrfach zu seinen Gunsten auswirkt:
Denn ein verkleinertes Modell ist hinsichtlich
- Statischer Materialbeanspruchung
- Lagerpressungen
- Sicherheitsfaktor des Kessels
- Heizflächenbelastung
- Antriebsleistung
- dynamische Massenkräfte
- Bremsweg
um ein Vielfaches unkritischer als das große Vorbild. Nur deswegen ist Dampf- bzw. Eisenbahn-Funktionsmodell überhaupt möglich, nur deshalb kann man auch ohne detaillierte Auslegungsberechnungen überhaupt sicher betreibbare Funktionsmodelle bauen.
Oder anders ausgedrückt: Käme jemand auf die verwegene Idee, ein maßstäblich vergrößertes „Modell“ einer Lokomotive zu bauen, er würde gleich mehrfach katastrophalen Schiffbruch erleiden!
Ich finde, es kann nicht schaden, sich der theoretischen Grundlagen dahinter bewusst zu sein. Und sei es nur um zu wissen, bei welchen Eigenschaften der Lokomotive ein Nachrechnen angeraten ist, und wo es verzichtbar ist.
Wer dennoch überhaupt nichts von „Theorie“ wissen möchte und rein auf seine empirisch bewährte „Praxis“ verweist, muss ja nicht weiterlesen, und muss das Folgende auch nicht kommentieren. Geschenkt. Dennoch sollte auch er dankbar dafür sein, dass ihm die Modellgesetze unwissentlich an allen Ecken und Enden in die Hände spielen.
LG, Moritz