Erprobte Wege

  • Neulich hatte ich mit Einem von Euch der hier mitliest eine kleine Diskussion über eine gewisse Methode.
    Wenn man den Weg nicht weiß, dann folgt man am besten der Erfahrung von anderen Leuten und nimmt einen bekannten Weg, auch wenn man den vielleicht nicht gern mag.

    Dieses Bild ziert zZ meinen Desktop.

    Vor Jahren waren meine Frau und ich einmal in Patagonien. Dort gibt es viele sehenswerte Sachen, zB die kleine Eisenbahn von Ushuaja oder die Landschaft rund um den Cerro Torre, mit den 3 Gipfeln Cerro Torre, Torre Egger und Torre Stanhardt. Der Cerro Torre ist wahrscheinlich der schwierigste Gipfel auf Erden. 1971 hat eine Italienische Mannschaft die sog. "Kompressor-Route" geschaffen, indem ein kleiner, gasbetriebener Kompressor mitgeschleppt wurde. Auf dem schwierigsten Teil der Strecke wurden dann 100e von Haken in die Felswand gebohrt und der Berg konnte dann 'bezwungen' werden, nachdem die Erstbesteigung vorher angzweifelt wurde.

    Viele Alpinisten betrachten diese Aktion als eine 'Vergewaltigung' des Berges, dennoch wird die Kompressor-Route heute immer noch begangen, weil es eine nun relativ einfache und bekannte, erprobte Strecke ist.

    Wir selbst waren natürlich NICHT auf dem Cerro Torre, sondern nur auf dem Mucho in der Nähe. Beim Rückweg hab ich den Fehler gemacht, die Crampons schonen zu wollen und hab diese etwas zu früh abgelegt. Es kam dann prompt noch ein Stück verstecktes Eis unter Schlamm und ich bin übel gestürzt. Ich war ein paar Tage lang außer Gefecht. Seitdem ist mein linker Meniskus hin, was sich beim Vorbereiten einer Lok immer böse bemerkbar machen kann. Damals hab ich auch Chilenischen Wisky mit Eiswürfeln aus 300 Jahren altem Gletschereis zu schätzen gelernt.

    Bei der Rückreise nach Puntas Arenas fiel irgendwo in der Pampa unbemerkt einer von Heikes Bergstiefeln von der Landefläche des Landrovers... Nach 2 Tagen war er wieder da! Ein paar andere Globetrotter hatten den Schuh in der Einöde gefunden und messerscharf geschlossen, daß der nur von uns sein konnte - es ist halt sehr sehr wenig Vekehr dort...

    Ach Ja: Wenn Jemand der wirklich sehenswerten Film "Scream of Stone" von Werner Herzog kennt, dann kennt er auch den Cerro Torre. Es ist allerdings eine fiktive Story.

    Zurück zum erprobten Weg...
    Natürlich steht Jedem frei, immer seinen eigenen Weg gehen zu wollen und dessen Risiken hinzunehmen.
    Wenn man allerdings keine eigene Erfahrung hat, dann nimmt man besser den Weg, den andere Leute schon erfolgreich gegangen sind, auch wenn man den vielleicht nicht besonders mag.

  • Hallo Johannes
    Ja dass mit dem Weg ist eigentlich schon Richtig.In Patagonien würde ich auch darauf achten und bei meiner Reise nach Ushhayia,und in Feuerland hatte es sich bewährt.
    Aber es ist manchmal wichtig diese Pfade zu Verlassen denn in der Technik und in der Forschung müssen diese Wege verlassen werden ,ansonsten kein weiterkommen .Es ist wie überall im Leben
    man sollte abschätzen können wozu man in der Lage ist denn die meisten Fehler beim Wandern oder Forschen sind Selbstüberschätzung !!¨
    Mit den besten Grüssen Hannibal

    * 1940 † 2017