(Edel-) Stahl-Muldenkipper

  • Hallo Freunde,

    ich möchte endlich einmal mit dem bereits vor einiger Zeit versprochenen Baubericht meiner Kipplore beginnen. Und dann in loser Folge – wie es meine Zeit erlaubt – damit fortfahren.

    Zu Beginn eine Beschreibung, die ich einem Werbe-Flyer der Firma Dalberg - gefunden in den unendlichen Weiten des Internet – nachempfunden habe.

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    Habe ich in besserer Qualität als PDF, bekam ich aber hier nicht rein...

    Und noch ein Bild vom (fast) aktuellen Bauzustand, aufgenommen bei der Jungfernfahrt am 13.8.2011 in Bad Schönborn. Ein paar Nacharbeiten sind bereits durchgeführt.

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    Ich habe mir in den letzten Tagen die Mühe gemacht, akribisch alle Teile bis zur letzten Schraube aufzulisten und die Preise aus den Angeboten der einschlägigen Hersteller herauszusuchen. Mit den schönen Rädern der Westerwälder. Ergebnis: die Teile für diese Lore würden 149,42 Euronen kosten.
    Da an anderer Stelle von low budget gesprochen wurde: mein Material stammt teilweise vom Schrott, auch konnte ich günstig einen größeren Posten Graugußräder erstehen.
    Dann war ich auf Schnäppchenjagd in der großen Bucht. Ein Beispiel: das für den Rahmen verwendete Flachkantrohr 30x20x2 in VA kostet bei den einschlägigen Händlern um 20 Euro für den Meter. Ich konnte eine größere Menge B-Ware (Lagerspuren, leichte Kratzer) für ca. 6,- Euro/Meter beziehen. Und so sieht die zweite, tatsächliche Rechnung deutlich anders aus: 72,84 EUR.

    Zum Vorbild: ein exaktes Vorbild gibt es nicht. Die wesentlichen Maße habe ich der DIN 5970 entnommen. Dann diverse Details von verschiedenen älteren Loren gemischt: genietete Bauweise, gebogene Abrollböcke und gerade Abrollwiege.


    Fortsetzung folgt
    Grüße, Winfried

    Ich fahre auf Spur 7 (Regelspur) oder auf Spur 5 mit der Feld- und Waldbahn

    3 Mal editiert, zuletzt von Winfried_Engel (11. September 2017 um 13:07)

  • Es ist Zeit für eine kleine Fortsetzung:

    Dann waren viele Fragen zu klären:
    Woher bekomme ich passendes U-Profil für den Rahmen?
    Und die diversen Profile für den Aufbau?
    Wie bekomme ich dieses gebogen?
    Wie federt es nach dem biegen zurück?

    Nach Klärung einiger grundlegender Dinge ging ich dann an die Materialbeschaffung. Und zwar möglichst Material, welches ich auch für meine 1:8-Modelle verwenden konnte. Für den Fall der Fälle wäre nichts verloren….
    Auf die Antworten zu den vorgenannten Fragen komme ich noch zurück.

    Mit dem Baubericht möchte ich mit den Achslagern beginnen, die ich auch als erstes gebaut habe.
    Die Idee habe ich von Gerd aufgegriffen, mir aber ein etwas einfacher zu bauendes Teil zum Vorbild genommen. Grundlage ist ein MS-Winkel 20x10x2, mit dem Trennschleifer und 1mm-Edelstahlscheibe zunächst auf Länge geschnitten. Geht wie Butter und benötigt kaum Nacharbeit. Dann mit Schablone gbohrt und der schräge Schnitt: als Aufnahme habe ich ein Lattenstück passend angeschrägt. Zuerst habe ich die Winkel-Abschnitte mit Spanplattenschrauben befestigt, das wurde mir aber schnell zu fummelig. Also habe ich passende Rundmaterialstücke in die Bohrungen gedrückt und die MS-Winkel mit einer Zange festgehalten. Das ging dann schon wesentlich schneller.

    Hier noch geschraubt:
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    Nachsatz: mittlerweile reiße ich die abzuschneidenden Ecken an (fertiges Teil als Schablone) und klemme die Teile nur beim abschneiden.

    Der nächste Arbeitschritt erfolgte auf der Fräse: zur Aufnahme einer 22er Kupferkappe musste eine 24er Bohrung eingebracht werden. Ich habe mir dafür einen Stechstahl geschliffen, den ich in den Bohr- und Ausdrehkopf gespannt habe. Wichtig dabei: die Öffnung nicht ganz durchstechen, so dass der Innenteil mit einer Zange herauszubrechen ist. Diese Erfahrung hatte ich nämlich schon früher gemacht: wenn sich das Innenteil löst, bricht häufig der Stahl ab. Und das neu schleifen ist recht langwierig…

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    Nun sind nur noch die „Ohren“ zu verrunden und das Teil zu versäubern. Dann noch ein Drahtbügel aus 3mm-MS-Draht und die bereits erwähnte Kupferkappe aus dem Installationsbedarf.
    Diese drei Teile habe ich hart verlötet, versäubert, gebeizt und brüniert.
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    Im Uhrzeigersinn die einzelnen Arbeitsschritte:
    Profil abgelängt, gebohrt, angeschrägt, ausgeschnitten, die Ohren abgerundet und die zwei anderen Teile, gelötet und verputzt, einbaufertig brüniert.

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    Dann noch die gesammelten Werke. Der Lorenzug soll sich sehen lassen können....
    Das Bild ist allerdings schon ein paar Tage alt, die Teile sehen jetzt wieder ganz anders aus.

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    Bis denmächst,
    Winfried

  • Hallo Winfried,

    danke für deinen Baubericht und durch die Bebilderung der einzelnen Schritte kann
    ich die Ausführung gut nachvollziehen.

    Gruß

    Patrick

  • Hallo Patrick und all die anderen interessierten Leser:

    was mir zu den Achslagern gerade noch so einfiel: bei der Jungfernfahrt am 13.8. in Bad Schönborn stand dort zu unserer Überraschung eine (für uns neue) alte Lore, die fast exakt als Vorbild für "unsere" herhalten könnte (Bild folgt). Bei der genaueren Betrachtung fiel Simon auf, dass in den Achslagern Schrauben zum Verschluß der Schmieröffnung sitzen. Die hatte ich mir eingespart..... :whistling: (aber Sünden holen einen bekanntlich irgendwann wieder ein). Im Moment sind weitere 12 Lager einbaufertig, alle dann noch folgenden werden diese Schrauben erhalten. Versprochen. M2-MS-Schrauben liegen noch genügend bei mir herum....

    Um der Frage nach Plänen zuvor zu kommen: das dauert noch. Und so eine schöne Mappe wie Jonas mit seinem Holzkastenkipper wird es mit Sicherheit nicht werden.
    Aber auch ich gedenke grundsätzlich eine Schutzgebühr/Aufwandsentschädigung zu verlangen. Über Sonderkonditionen für gute Freunde bzw. DBC-D-Mitglieder denke ich noch nach. Im Moment gibt es zwei DIN-A-3-Bögen Millimeterpapier mit Bleistiftzeichnungen aller wesentlichen Teile inkl. Fertigungsangaben dazu. Eingearbeitet werden müssen noch die vorgenommenen Änderungen/Berichtigungen, die zusätzlichen Teile für die schwere Ausführung (sollen alle folgenden Loren werden) sowie die Teile der Bremsen für die gebremste Ausführung (auch eine solche ist vorgesehen).

    Es ist Euch aber unbenommen, Euch schon mal für die Warteliste zu melden. Ihr könnt Euch aber ruhig noch Zeit lassen bis zum Ende meines Berichtes. Auch bin ich reif für die Insel, d.h. mein Jahresurlaub steht unmittelbar bevor. Mal sehen, ob ich den Baubericht vorher überhaupt noch fertig bekomme....

    Bis denn,
    Winfried

    Ich fahre auf Spur 7 (Regelspur) oder auf Spur 5 mit der Feld- und Waldbahn

  • Hallo Freunde,

    nach (m)einem sehr erholsamen Urlaub eine kleine Fortsetzung:

    Zunächst noch das bereits erwähnte „Vorbildfoto“. Auch die leichte Bauart, nur die Bremsbügel fehlen. Sogar die Nieten könnten fast alle stimmen….

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    Für den Rahmen habe ich U-Profil 20x13,5x2 verwendet. Das Maß ergab sich dadurch, dass ich das Flachkantrohr 30x20x2 längs mit dem Trennschleifer geteilt habe. Die Methode hatte Martin Edelmann mal hier vorgestellt. Leider verzieht sich das Profil relativ stark beim trennen, der Schnitt wird dadurch nicht sauber. Daher habe ich das getrennte Profil zunächst gerichtet und dann auf der Fräse auf das Endmaß gebracht. Dann entgraten und ab in die Presse.

    Doch zunächst ein Bild von den angefertigten Biegeformen:

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    Oben rechts die Biegeform für den Rahmen mit einem Rahmen-Probeteil. Die Frage war ja, wie weit das Profil nach dem Biegevorgang zurückfedert. Es waren etwa 5 mm, um die ich die Form nach dem ersten Versuch nachgearbeitet habe. Die Form selbst besteht aus zwei Lagen Flachstahl 80x10mm = 20mm.
    Dann noch je eine 4mm-Abdeckung (aus der Restekiste, daher so unförmig). Deren Aufgabe ist zu vermeiden, dass sich das Profil seitlich wegbiegt. Tut es trotzdem, aber nun minimal. Einige Schläge mit dem Alu-Hammer, dann passt es wieder. Mit den Haken in den oberen Bohrungen (Scharniere von alten WC-Sitzen. Müssen ab und an mal getauscht werden, aber die Edelstahl-Teile werfe ich doch nicht weg) wird das Profil beim biegen gestützt. Ggf. ein kleiner Stahlkeil dazwischen. Zum Biegen habe ich mir zwei Profilfüller angefertigt, die beim Biegevorgang in das U-Profil eingelegt werden. Sie sind etwas höher als das U-Profil, dadurch wird das Profil nicht am Rand, sondern im Grund des U gedrückt. Ein Profilfüller zum festklemmen, der zweite zum drücken.
    Zum besseren Verständnis zwei (nachgestellte) Bilder vom Biegevorgang mit dem Probierstück in meiner 12,5-to-Eigenbau-Presse. Die Form spanne ich in einen Beute-Schraubstock und damit in die Presse. Sieht abenteuerlich aus, funktioniert aber bestens. Die unteren Bohrungen und Haken stützen die Form gegen den Schraubstock ab. Alleine mit klemmen hält das dem Druck nicht stand. Bei Fortgang des Biegevorganges (in 4-5 Stufen) wird die Form im Schraubstock umgespannt und die Haken entsprechend umgesteckt. Ich hatte zunächst befürchtet, dass der äußere Rand des U-Profiles reißen könnte. Ist aber nicht passiert.

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    Zurück zum biegeformen-Bild: die weiteren Formen sind 8mm-Stahlbleche mit verschiedenen Radien für diverse Teile. Leider hat das aus 10x10x1mm-Vierkantrohr geschnittene U-Profil innen nicht ganz 8mm, so dass ich die hierfür vorgesehenen Biegeformen am Rand auf 7,8 mm abfräsen musste. Das biegen (hier jeweils die geschlossene Seite des U nach außen) dieser leichten Profile erfolgt im Schraubstock mit dem Alu-Hammer. Unten zwei Klemmen. Durch den Biegevorgang knickt der seitliche Rand des U-Profiles mehrfach nach außen weg. Mit den Klemmen wird das Profil an der Biegeform fixiert und dann mittels Alu-Hammer die Knicke gestaucht.

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    Links auf dem nächsten Bild (hier ein Abrollbock) ist der Knick noch zu sehen, oben sind bereits alle Knicke beseitigt. Das verschrauben mit beiden Klemmen wurde mir bald zu mühselig, daher habe ich mir den im Biegeformen-Bild ganz links gezeigten Haken aus 10x10er Vierkantmaterial geschmiedet. Der wird hinter das zu klemmende Teil mit nur einer Klemme eingespannt und stützt so das zu richtende Teil von hinten (hiervon gibt es noch kein Bild). Das in der Mitte gezeigte runde Teil ist ein Abschnitt Rundmaterial aus der Restekiste und dient zum drücken der Abrollohren (eines liegt daneben) in die entsprechende Form (im Schraubstock).

    Schwieriger war das biegen des 10x10x2mm-Winkels für den Innenbeschlag der Mulde. Neben den bereits von den U bekannten Knicken verwindet sich das Winkelprofil. Hier sind also nach jedem Teilschritt nicht nur die Knicke zu entfernen, sondern das Profil muss auch wieder zurechtgedreht werden.

    späterer Nachsatz: mittleweile habe ich das Verfahren geändet und biege die Profile (U und L) wie das Rahmenprofil in einer seitlich geschlossenen Form in der Presse. Dadurch wird das seitliche ausbiegen weitgehend verhindert.

    Fortsetzung folgt,
    Winfried

    Ich fahre auf Spur 7 (Regelspur) oder auf Spur 5 mit der Feld- und Waldbahn

    3 Mal editiert, zuletzt von Winfried_Engel (12. September 2017 um 09:44)

  • Hallo Holger,

    Deine Frage war nur schneller als das Bilder einstellen.... (ich bin auch nicht mehr der Jüngste bzw. es ist schon spät....)

    Grüße,
    Winfried

    Ich fahre auf Spur 7 (Regelspur) oder auf Spur 5 mit der Feld- und Waldbahn

  • Ich hatte das Glück, den Wagen am Sonntag 24.09.2011 in Mainz vor meiner "Nase" zu haben. Anbetracht der Möglichkeit des Erbauers, wurde die Lore ein ganz exzellentes Stück.

    Gruss ego

  • Hallo,

    ich war am Wochenende auch in Gustafsburg, gelungene Veranstaltung
    und mehr als gelungenes Wochenende bei strahlendem Sonnenschein!

    Habe das gute Stück auch sofort erkannt, wirklich saubere Arbeit!

    Gruß,

    Wolfgang

  • Danke, Freunde für die Blumen! Das spornt an zum weitermachen...


    Dann ist noch das vernieten der Pufferkappen erwähnenswert. Als Gegenhalter im Profil habe ich einige Abfallstücke mit kugeligen Öffnungen versehen (anbohren, Kugellagerkugel hinein und einig kräftige Hammerschläge). Dazwischen ein flach geschliffener Keil, dann können außen die Nietköpfe geschlagen werden.

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    Dann konnte endlich die erste Stellprobe auf dem Gleis erfolgen:

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    etwas später dann mit den Abrollohren:

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    Für die Augen der Abrollwiege habe ich zunächst das Profil direkt am Schenkel zur Mulden-Stirnwand mit der Trennscheibe eingeschnitten. Dann den zu rollenden Schenkel um 3 mm gekürzt und dann um einen 6-mm-Bohrerschaft gerollt. So ergab sich ein Außendurchmesser von 10 mm.
    Die sonstigen Mulden-Teile waren relativ harmlos. Nur die vielen Nieten….


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    Auch hinter unserer Gmeinder gibt die neue Lore ein schönes Bild ab….
    Besonderer Gruß an Jonas: auch die Gmeinder ist fast vollständig aus Sperrholz.

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    Bei der Probefahrt in Bad Schönborn waren die Feststellhebel noch recht stramm eingestellt. Die Mulde hat sich mehrere Male bei der Fahrt von alleine umgekippt. Zum Glück sind wir nur leer gefahren…
    Ich habe daher die Feststellhebel etwas nachgearbeitet, so dass die Mulde nun etwas Spiel hat.

    Gestern, am 23.9. waren wir zur zweiten Probefahrt in Gustavsburg. Diesmal teilweise auch mit beladener Mulde. Nun ist alles bestens, kein selbsttätiges entladen mehr.

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    Dort kam es zu einigen Entgleisungen, die ihe Ursache allerdings weder an den Gleisen noch in der Lore hatten: einmal bin ich etwas zu flott über eine holprige Weichen-Kreuzungs-Kombination gefahren und dann beim aufschneiden einer Weiche. Meine Spur-7-Wagen packen das locker...

    Jetzt erst mal das gute Wetter für meine Hof-Baustelle nutzen, dann wollen Simon und ich unsere Kleinserie starten.
    Ich halte Euch auf dem laufenden.

    Für Fragen stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung.

    Viele Grüße
    Winfried

    Ich fahre auf Spur 7 (Regelspur) oder auf Spur 5 mit der Feld- und Waldbahn

    2 Mal editiert, zuletzt von Winfried_Engel (12. September 2017 um 09:53)