Ein Ausflug mit Hindernissen

  • Gestern sind wir Clubmitglieder alle zu einer 7,25" Ralley der Cinderbarrow Miniature Railway in North-Lancashire gefahren, nahe beim Lake District. Der Club liegt mitten in der Landschaft, weitweg von allen Wohngebieten. Mit Google 'LA5 9RX' in UK aufsuchen... Die Anlage ist Klasse und wir hatten bei frühlingshaftem Wetter mit Sonnenschein richtig Spaß. Ich war einer von 3 Klubmitgliedern in einem Landrover, in dessen Anlänger wir 3 dicke 7,25" Lok, 2 Tender dazu und noch eine 5" Loks, sowie alle möglichen Utensilien transportierten. Ich würde gerne Bilder von der interessanten Anlage und vom Fahrtag zeigen - leider gibt es keine, mehr dazu unten.

    Am späten Nachmittag wurde das ganze Zeug wieder ein eingeladen und es sollte wieder heimwärts gehen. Jemand (nicht ich) machte den Vorschlag: "Laßt uns doch eine 'scenic route' fahren, die Autobahn ist doch nur voll und langweilig."

    Gesagt getan: Kirkby-Lonsdale, Ingleton, Settle, Skipton... Richtung Leeds. Etwa parallel der Bahnlinie Settle-Carlisle am Rande des Naturparks Yorkshire-Dales. Wer die Gegend kennt oder wer mich vielleicht schon mal besucht haben sollte, der weiß, daß das eine landschaftlich schöne, aber gottverlassene Gegend ist, wo man sich an machen Stellen um 360 Grad drehen kann ohne auch nur das geringste Anzeichen davon zu erkennen, daß es hier außer grün-braunen Hügeln und Schafen noch etwas anderes gibt.

    Wir zockeln also mit wenig Speed durch diese nette Gegend, wieder mit dem schweren, vollen Trailer im Schlepp. Irgendwann hinter uns ein anderer Autofahrer - blinkend und hupend. Wir halten an... "Ist Euch eigentlich klar, daß Euer Anhänger nur noch 3 Räder dran hat?"

    Schock - Ein Rad nicht nur im übertragenen Sinne, sondern tatsächlich ab, weg !
    Keine Chance es in der Einöde wieder zu finden. Was nun? Mit dem schweren Trailer können wir so bestimmt nicht mehr weit fahren.

    Zum Glück gibt es ein Ersatzrad zum Anhänger, vom Landrover paßt natürlich nichts. Aber keine Ersatz-Radmuttern (die ja eigentlich Schraubbolzen sind)!

    Weiterer Schock: Bei den 3 verbliebenen Rädern sind die 'Radmuttern' ALLESAMT lose!
    Wir können hier nicht bleiben, wir müssen eine Werkstatt finden (wohlgemerkt es ist Samstag-Abend).

    Die 12 verbleibenden Schraubbolzen werden alle umverteilt und wieder angeknallt. Vier Räder am Hänger mit nur jeweil 3 Schraubbolzen ...
    Und ganz langsam weiterfahren.

    Morgen ist auf unserer Klubstrecke Fahrtag und wir brauchen dann die Loks!

    Nach 5 Km anhalten und Kontrolle: Am Ersatzrad haben sich 2 der Schraubbolzen gelockert und verabschiedet. Es ist nur noch EIN Schraubbolzen da.
    Wieder etwas umverteilen 2 x 2 auf einer Seite und noch langsamer weiterkriechen.

    Wir sind schon fast wieder in der Zivilisation als sich das Ersatzrad davon macht. Wir finden es im Graben wieder - unter dem Zierdeckel aus Plaste klonkert noch ein Schraubbolzen herum. Die Gewindegänge sind fast komplett weg, der Konus zum Fixieren ist nett konkav ausgeschlagen.

    Wieder Notreparatur und im Schritttempo zur nächsten Tankstelle, die aber bald schließt. Hänger abkoppeln. Einer von uns saust mit dem Randrover los, um noch irgendwo eine offene Werkstatt mit Ersatzteilen zu finden - Zwecklos, es ist inzwischen Samstag 21:00!

    Also einen Rettungsdienst ähnlich wie ADAC anrufen. "Nee - Anhänger sind mit Ihrem Vertrag nicht abgedeckt! Versuchen Sie es woanders...".
    Zum Glück hat Kamerad Leslie einen Behindertenausweis, der ihn bei einer anderen Gesellschaft berechtigt, eine Hilfeleistung anzufordern.
    Nach einem Telefonat von nur 17 Min vom Mobilfon auf einer kostenpflichtigen Leitung wird uns endlich ein Dienst angekündigt, wo der Anhänger auf einer Ladefläche mitgeführt werden kann. Es sind aber nur die ersten 20 Meilen kostenfrei. Nach den Angaben unseres SatNavs sind es gerade 20 Meilen bis zu Michaels Haus. Der Hilfsdienst besteht aber darauf, daß es nicht 20, sondern 22 Meilen sind, wodurch sich die Dienstleistung von kostenlos auf 130 £ verteuert! Inzwischen haben wir auch keine Lust mehr, mit der netten Tussi am anderen Ende der Leitung zu argumentieren.

    Hilfsdienst kommt. Der Mann hat Erfahrung:
    "Was habt Ihr denn geladen?"

    "So so, fast eine Tonne Lokomotiven ?"

    "Kommt mir doch nur zu bekannt vor! Die Bauern hier in der Gegend haben das häufiger. Bei dem Typ Anhänger rütteln sich oberhalb einer gewissen Last, die Räder zumindest auf der Straßenrand-Seite los..."

    Aufladen und zu Michaels Haus...
    Dort steht seit heute morgen mein Auto, mit dem ich noch 30 Meilen nach Leeds weiter fahren muß. Inzwischen ist es nach Mitternacht und die Ewige Baustelle an der Gabelung von M62 und M261 zwischen Bradford und Leeds wird wie jede Nacht auf einen Sonntag dicht gemacht. Alle Umgehungsstraßen und Schleichwege und zu Zeiten der SatNavs natürlich Allen bekannt und dichter als DICHT.

    Es ist 2:30 als ich schließlich daheim bin.

    Vom Fahrtag in Cinderbarrow und dem folgenden Abenteuer hatte ich natürlich genug Bilder gemacht. Diese wollte ich natürlich von der Kamera herunterladen und sie den Kubleuten zu zeigen.
    Ihr könnt es Euch denken - Statt sie zu kopieren habe ist sie gelöscht ... Nach dem Tag waren meine Finger zu zitterig.
    Und natürlich so gelöscht, daß sie auch nicht mehr durch UNDELETE zurückgeholt werden konnten. Fast schon nicht mehr wichtig...

    MORAL DER GESCHICHTE

    Bei solchen Transporten mit Sowas rechnen.

    Mit dem gleichen Anhänger haben wir neulich eine ähnlich schwere Fuhre nach Manchester gebracht - ohne Probleme, auf der Autobahn.
    Keine Umwege mit einer Wertvollen Ladung fahren.

    Das Kleingedruckte zum Anhänger oder die Berichte von anderen Leuten suchen, lesen und beherzigen.
    Ich könnte mir denken, daß es auch in Deutschland Anhänger gibt, die ein änliches Verhalten bei holperiger Straße haben.


    Gute Fahrt

    Ach ja, die Loks taten heute allesamt wieder Dienst.
    Wir werden jetzt eine solidarische Sammlung veranstalten, so daß Mike nicht auf den Kosten sitzen bleibt.

    • Offizieller Beitrag

    Hi Johannes,


    oh Mano Mano Man!! Da habt ihr ja wohl alles Pech, was an diesem Tag möglich war,
    als vierte Person mit im Rover gehabt,oder?
    Sowas kommt vor, hier in Germany ist letztens die erste Lottoziehung (ich glaube seid Beginn)
    anuliert worden. Zwei Kugeln sind "stecken" geblieben und somit waren sie nicht mit in der Ziehung.
    Denk mal an die Leute die 6 richtige hatten (und die gab es), ich glaube ich wäre auf der Stelle geplatzt!
    So habt Ihr noch eine Story, die Euch bestimmt bei dem ein oder anderem Bierchen oder Tee :D ,immer wieder
    zu lautem lachen und einer Menge englishen Humor gut sein wird. Danke für die Erzählung, dieser fast unglaublichen
    Story. :thumbup:


    Mitfühlende Grüße,Chris

    Das Licht am Ende des Tunnels könnte auch ein Zug sein !!! :D Ich bin der Fräser Eilig, was ich nicht fräs das feil ich.... Genitiv ins Wasser weil es Dativ ist :pinch:

  • Moin Johannes,

    danke für die Gesichte. Da unterm Strich alles gut ausgegangen ist, kann man ja schmunzeln.
    Und ich gehe jetzt gleich runter und ziehe die Muttern am (frisch gekauften) Hänger nach...

    Viele Grüße

    Gerd

    P.S. Kann man diesen "Bedankomaten" auch deaktiviere??

  • Hallo Gerd,

    natürlich kann Man(n). Die Einstellung findest Du unten im Reiter "Einstellungen"
    und dann den Haken bei "Bedankomat aktivieren" entfernen.

    [Ups hab' ich ganz übersehen, noch alles Gute zum Geburtstag Gerd :thumbup: ]

    "Man kann den Wert einer Sache daran messen, wieviel Zeit man sich dafür nimmt!"

    Grüße Andreas

    Einmal editiert, zuletzt von Bockerlbahner (15. April 2013 um 11:23) aus folgendem Grund: Nachtrag Geburtstagswünsche!

  • Diese Story ist leider alles andere als lustig.

    Das Loskommen von Radbolzen ist ein beinahe natürliches Phenomen, wenn man es nicht ordentlich verhindert.
    Diese beiden Artikel (Leider nur auf Englisch) zeigen, daß die Ursachen alle bekannt und deshalb behebbar sind.
    http://www.caravanandmotorhomebooks.com/articles/why_wheels_fall_off.html
    http://www.brake.org.uk/facts/wheel-lo…uncing-bomb.htm

    Ein ganz wesentlicher Faktor sind danach SEITLICHE Stöße auf ein Rad auf einer unebenen Fahrbahn, weil hierdurch die Schraubbolzen einer ständig wechselnden Belastung unterworfen werden!

    Der Mann von dem Hilfsdienst hatte 100% Recht:
    ""Kommt mir doch nur zu bekannt vor! Die Bauern hier in der Gegend haben das häufiger. Bei dem Typ Anhänger rütteln sich oberhalb einer gewissen Last, die Räder zumindest auf der Straßenrand-Seite los...""

    Der Schraubbolzen wird beim Anziehen gespannt (wie eine Feder...) und nur EINE Seite der Gewindegänge wird dabei belastet. Beim Rütteln wird der Bolzen ständig belastet und entlastet. Im entlasteten Zustand kann sich die 'Feder' in den leeren Spalt auf der unbelasteten Seite des Gewindeganges bewegen, weil dort 'Luft' ist. Man kann den Spalt mit Loctite 290 ausfüllen! Und genau DAS ist die Funktion von Loctite ...

    Wichtig ist auch, daß die Schraubbolzen mit einem wirklichen Drehmomentschlüssel - und nicht nur nach Gefühl - angezogen werden.
    Bei einem Unfall ist nicht der Automechaniker, sondern der Fahrer haftbar !!!

  • Hallo Johannes,

    da könnt Ihr ja glücklich sein, die landschaftlich schönere Route genommen zu haben. Nicht auszudenken, wenn sich etwa eine Tonne Lokmaterial bei höherer Geschwindigkeit auf der Autobahn selbständig macht.

    Viele Grüße

    Holger

    Fueled by coffee, powered by steam.

  • Hallo Johannes, 

    ein Rad mit zwei (von fünf) gelösten Bolzen habe ich auch schon erlebt. 
    Doch selbst wenn nichts passiert ist, so bleibt ein ungutes, mulmiges Gefühl. 

    Der Nachteil von Muttern und Bolzen liegt eben auch in ihrer Lösbarkeit. 

    Verschraubungen können sich eben, wie Ihr leidvoll erfahren musstet, durch 
    Erschütterungen oder Setzvorgänge lösen. 

    Diesem ernsthaften Sicherheitsrisiko für Mensch und Sachwerten, kann man 
    nur durch entsprechende Sicherungen entgegen wirken. 

    Wenn also dieser Anhängertyp unter Last dazu tendiert sich seiner Bolzen oder 
    Muttern zu entledigen, so sollte darüber nachgedacht werden, ob man dem 
    ggf. mit dem anbringen von Sicherungsblechen, Drahtsicherungen oder der 
    Verwendung von entsprechenden Kronenmuttern mit Splinten Einhalt gebieten kann. 

    Es wäre schade wenn sich Euer Equipment über die Straße verteilt oder die 
    Zugmaschine samt Insassen gleich mit ins Verderben zieht. 

    In diesem Sinne alles Gute und weiterhin eine unfallfreie Fahrt.

    "Man kann den Wert einer Sache daran messen, wieviel Zeit man sich dafür nimmt!"

    Grüße Andreas

    Einmal editiert, zuletzt von Bockerlbahner (15. April 2013 um 18:23)

  • Hallo Johannes,

    es gibt im Netz einige nützliche Programme zur Datenrettung. Damit habe ich schon Daten auf formatierte Festplatten wieder hervorgeholt. Funktioniert auch bei Speichersticks. Würd ich einfach mal probieren.

    Gruß Rene

  • Danke für den Vorschlag - hab ich natürlich schon versucht. Leider hab ich die Bilder auf der Speicherkarte in der Kamera gelöscht (anstatt sie zum PC zu kopieren). Die Programme erkennen die Speicherkarte in der Kamera aber leider leider nicht. Dann hab ich die Speicherkarte in ein externes Lesegerät am USB-Port gesteckt - und auch hier das gleiche Ergebnis, Karte wird nicht erkannt... Schlechte Karten sozusagen.
    Im Sommer ist in Cinderbarrow wieder eine Ralley, wo ich wieder dort werde. Der Bericht über die Anlage dort muss eben noch etwas warten.

  • Hallo Johannes

    Hast du es evtl. auch schon einmal unter Linux versucht die Speicherkarte zu finden? Mir hat das mal bei meiner Videokamera geholfen, mit eingebauter Festplatte. Diese wurde unter Windows XP, Vista und 7 nicht mehr erkannt, aber mit Linux war das kein Problem. Selbst mit einer Live DVD klappte das recht flott und ohne Schwierigkeiten.

    In diesem Sinne recht viel Erfolg bei der Rettung der Daten.

    Ralf

  • Hallo Johannes,
    es gibt spezielle Programme für gelöschte Fotos wieder herzustellen.
    Bei meiner Sony hatte ich das auch mal.
    Versuche es mal über den Kamerahersteller.
    Auf meinem Stick waren nach der Rettung mehr Bilder wie eigentlich
    draufpassen. Ging aber nur mit der Werkssoftware.
    Grüße
    Wolfgang

    † 2017

  • Zu dem Ausflug mit Hindernissen gibt es noch einen Anhang...

    Am Sonntagmorgen wurde der Trailer repariert und wieder fit gemacht, damit wir die Ladung zur Klubanlage bringen konnten, weil ein Fahrtag daheim steigen sollte. In Cinderbarro hatte die Lok um das Wasserstandsglas einen 'Schutzkäfig' - eine Messinghalterung für ein viereckiges Glasrohr.

    Jedenfalls dachte ich da, daß jenes viereckige Glasrohr aus echtem Glas wäre...
    Beim Einladen in Cinderbarro sah alles noch normal aus. Als die Lok Sonntag Mittag angeheizt wurde, fiel auf, daß das 'Schutzglas' zusammengesackt war und auf dem Glasrohr des Standglases KLEBTE. Es stellte sich heraus, daß jenes viereckige, U-förmige Schutzrohr tatsächlich aus Perspex (Plexiglas) war. Weil in der FB schon das Anheizfeuerchen röhrte, wurde entschieden, das geschmolzene Schutzrohr jetzt zu entfernen. Die Schrauben der Halterung wurden entfernt - das Plexiglas klebte aber irgendwie fest. Bevor das Plexiglas uU undurchsichtig würde, zog ein Klubfreund den Rest mit etwas Gewalt ab. Dabei ging ein Stückchen Glas aus Solidarität mit!

    Glücklicherweise war der Kessel noch lange nicht so heiß, daß aus dem entstehenden Loch heißer Dampf gezischt wäre.
    Sweet Bee hatte danach eine Ruhepause.

    Es ist längst nicht alles Glas, auch wenn es durchsichtig ist.
    Solche Schutzrohre aus Plexiglas sind nicht das Gelbe vom Ei ...

    • Offizieller Beitrag

    Hi,

    Schutzrohr aus Plexiglas??Das kann doch nicht.
    Um das Wasserstandsglas gehört eine ordentliche Schutzvorrichtung,
    ein "Gehäuse" aus Metall und kein Schutzrohr. Der Wasserstand ist so nah
    an der Feuertür das ein Zusammenstoß mit der Schaufel beim feuern
    nicht auszuschliessen ist. Ein zerstörtes Wasserstandsglas bei Betriebsdruck ist echt fies!!!
    Da solltet ihr was machen.....

    VG,Chris

  • Leider hab ich kein Bild von dem 'Schutzrohr' mit seinen Metallteilen. Alles zusammen sah durchaus professionell und sicher aus.

    • Offizieller Beitrag

    Hi Johannes,


    so oder ähnlich mein ich......


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    Grüße,Chris

    Das Licht am Ende des Tunnels könnte auch ein Zug sein !!! :D Ich bin der Fräser Eilig, was ich nicht fräs das feil ich.... Genitiv ins Wasser weil es Dativ ist :pinch: