Tangentialkegelraeder oder der Versuch, eine A-Climax zu bauen

  • Hi guys,
    bisher habe ich Modelle in 1:20.3 gebaut, wollte aber immer schon "hoeher" hinaus. So hatte ich vor vielen Jahren einen Alberich angefangen, aber nie ganz fertiggestellt. Mein Freund David hat dann das Projekt uebernommen und in 5" (eigentlich 4 3/4" hier in CA) umgebaut. Mein erstes Modell in 1:20 war eine A-Climax mit den typischen Tangentialkegelraedern, die das Kreuzen von Achsen in verschiedenen Ebenen erlauben. Das Projekt wurde ermoeglicht, als ein Freund die Zahnraeder in einem Surplusshop entdeckte. Hier das 1:20 Modell:

    Ich wollte schon immer die Lok in 1:8 als Schmalspurlok auf 4 3/4" bauen, aber den Bau der Tangentialkegelraeder traute ich mir nicht zu. Zwar beschreibt Kozo in seinem Climax Buch sehr ausfuehrlich den Bau, aber irgendwie hatte ich nicht den Mut, damit anzufangen. Das aenderte sich vor einiger Zeit, als mein Freund Dennis fuer ein 1:32 Projekt Raeder mit Alibre konstruierte und dann von Shapeway in rostfreiem Stahl ausdrucken liess. Das Ergebnis sah so gut aus, dass ich den Entschluss fasste, dies auch mit den Zahnraedern zu probieren. Das Glueck wollte es, dass ein Bekannter die Zahnraeder fuer ein 1:1 Projekt in 3D konstruiert hatte. Dennis und ich haben dann das Modell fuer die 1:8 Lok vereinfacht und optimiert. Ausserdem "druckten" wir einen Getriebeblock in Plastik auf Dennis' 3D Plotter (Solidoodle) aus, um das Getriebe testen zu koennen. Die gedruckten Zahnraeder sahen sehr gut aus und erforderten ausser einem Bearbeiten der Bohrungen keine Nacharbeit. Hier das Ergebnis:

    Das Getriebe laeuft sehr leicht ohne Klemmen und ist relativ leise. Die Zahnraeder des Vorbilds waren Gussteile, weil damals weder Mathematik noch Maschinen in der Lage waren, Tangentialkegelraeder zu berechnen/fertigen. So sieht mein Getriebe auch noch ziemlich vorbildgerecht aus. Naechster Schritt wird Fertigen der Getriebebloecke in Bronze und Bestellung der naechsten 3 Saetze Zahnraeder sein. Fortschritt wird relativ langsam sein, da andere Projekte noch auf der Werkbank liegen.

    Dazu noch eine Frage: Weiss jemand, wo ich Radrohguesse fuer 5" mit einem Durchmesser von etwa 82..89mm und 8..10 Speichen bekommen kann?
    Regards

    Henner

    Einmal editiert, zuletzt von henry945 (24. April 2013 um 06:33)

  • Hallo Henry,

    Zitat

    wo ich Radrohguesse fuer 5" mit einem Durchmesser von etwa 82..89mm und 8..10 Speichen bekommen kann?


    schau mal hier. Das Teil mit der Nummer 840552 sollte geeignet sein.

    Viele Grüße Dietrich

    Feinblechner können machen aus feinen Blechen feine Sachen.

  • Hallo,

    der Fortschritt im Bereich 3d-Drucken ist wirklich rasant. Bin mal gespannt wie lange die Zahnräder halten, schließlich sind in dem Maßstab ganz andere Kräfte zugange als bei dem kleinen Modell.

    Gruß,

    chris69

  • Chris,
    laut Shapeways
    http://www.shapeways.com/materials/steel
    soll das Material die gleiche Festigkeit wie rostfreier Stahl haben und durch die Bronze koennte ich mir vorstellen, dass der Abrieb sich auch in Grenzen halten wird. Mal sehen....
    Johannes,
    danke fuer den Link, ich habe mir die Raeder alle genau angesehen und werde dann mal entscheiden, welches sich am Besten eignet. Beschaffung sollte kein Problem sein, da ich wegen meiner kleinen Enkeltochter jetzt mindestens 2x im Jahr nach Deutschland komme.
    Regards
    Henner

  • Hallo, ich lebe (und baue) noch. Inzwischen habe ich die restlichen Zahnraeder bekommen und mit Hilfe meines Freundes Dennis (meine Drehbank ist etwas klein) Achsen/Getriebeboxen der Lok fertiggestellt. Radguesse (danke fuer den Tip) sind schon in Berlin bei meinem Sohn und werden bei meinem naechsten Besuch mitgenommen. Auch die Maschine (D10) ist vorhanden. Sie ist vermutlich ein bischen klein, aber 1..2 Personen sollte die Lok schaffen. Die Dampfmaschine der 3 1/2" Lok von Kozo hat etwa die gleichen Abmessungen und zieht 4..5 Erwachsene. Ich wollte gerade mit den Archbar Drehgestellen anfangen, als mein Laptop mit den Zeichnungen abgeraucht ist. Es wird etwas dauern, bis ich Alles wieder rekonstruiert habe (nicht die Zeichnungen, sondern den Rechner/Software). So sieht es zur Zeit mit meinem Projekt aus:

    und

    Danke nochmals fuer den Tip mit den Radguessen!
    Regards
    Henner

  • Das ist ja hochinteressant!
    Ich bräuchte für ein anderes Projekt 2 einfache Winkelgetriebe ähnlicher Größe. Belastbarkeit sollte dem eines Tretantriebes für Kinder-Trettrecker entsprechen(z.B. Rolly-Toys). Eingebaut werden soll es in einen Seilbagger(Vorbild: Weserhütte W 4 Vorkriegsmodell http://www.youtube.com/watch?v=O_JsLa3iXL4 ) zum Tretantrieb für Schwenkwerk und Raupenfahrwerk(passend zu meiner Garteneisenbahn).
    Bevor ich mit dem Bau beginnen kann brauche ich die Winkelgetriebe, weil sich die Gesamtkonstruktion nach diesen richtet(Maßstab etwa 1:4 oder 1:5). Leider habe ich noch nichts gefunden.

    Der Weg ist das Ziel ;)

  • Das ist ja hochinteressant!
    Ich bräuchte für ein anderes Projekt 2 einfache Winkelgetriebe ähnlicher Größe. Belastbarkeit sollte dem eines Tretantriebes für Kinder-Trettrecker entsprechen(z.B. Rolly-Toys). Eingebaut werden soll es in einen Seilbagger(Vorbild: Weserhütte W 4 Vorkriegsmodell http://www.youtube.com/watch?v=O_JsLa3iXL4 ) zum Tretantrieb für Schwenkwerk und Raupenfahrwerk(passend zu meiner Garteneisenbahn).
    Bevor ich mit dem Bau beginnen kann brauche ich die Winkelgetriebe, weil sich die Gesamtkonstruktion nach diesen richtet(Maßstab etwa 1:4 oder 1:5). Leider habe ich noch nichts gefunden.

    Die Climax Winkelgetriebe sind vermutlich falsch fuer einen Bagger, da sie im Gegensatz zu normalen Winkelgetrieben erlauben, dass sich zwei Achsen aussermittig kreuzen. "Normale" Getriebe sind vermutlich billiger und kommerziell erhaeltlich. Vielleicht liesse sich sogar das Winkelgetriebe einer einfachen Handbohrmascine aus China verwenden.
    Regards
    Henner

  • Hallo Rudi,
    Winkelräder und Winkelgetriebe gibt es z.B. bei Mädler.
    Was, wenn du eine relativ große Unter-/Übersetzung benötigst, funktioniert; Winkelgetriebe aus einer Flex.
    Selbst schon eine 20 Euro Flex von Aldi entsprechend zweckendfremdet. Alle Zahnräder aus Metall.
    Die meiste Arbeit war das Entfernen der Motorwicklung und Blechpakete.
    Volker

  • Hallo Volker, hallo Henner,
    Winkelgetriebe Flex: habe schon Anfragen gestreut(im Bekanntenkreis) nach "durchgebrannten" Winkelschleifern(beim Raupenfahrwerk wäre eine große Untersetzung sogar optimal). Würde es aber nicht übers Herz bringen, eine neue Flex zu zerpflücken - bin noch altmodisch erzogen worden :D .

    Handbohrmaschine ginge auch, jedoch wäre es für mich vorteilhafter, wenn eine der beiden Achsen durchgehend ist.

    Inspiriert zu dem Seilbaggerprojekt hat mich übrigens dieses Video: http://www.youtube.com/watch?v=JaAKPftNba4

    Gruß Rudi

    Der Weg ist das Ziel ;)

    Einmal editiert, zuletzt von Rudiratzrutz (7. September 2013 um 16:11)

  • Henner,
    eingebaut in solche Lokomotiven muss es schon gute Qualität sein; bei meinen Projekten reichen aber einfache Ausführungen.
    Kreuzende Achsen brauche ich nicht, eine durchgehende Achse reicht: einmal für den Tretantrieb am Oberwagen(dann per Fahrradkette Kraftübertragung auf die Königswelle) und im Unterwagen(von der Königswelle auf das Fahrwerk). Mit einer Sperre soll das Schwenkwerk blockiert werden können, um so den Antrieb auf das schwergängerige Fahrwerk zu leiten. Die Königswelle muss hohl sein, um einen Stellmechanismus zur Steuerung(Lenkung) durchzuführen(im Gegensatz zu diesem Video:http://www.youtube.com/watch?v=Glhyl8_YA_o - da wird über einen Fußhebel am Unterwagen "gelenkt"). Hierfür verwende ich einen ausgedienten Kinder- Schreibtischstuhl.

    Winkelgetriebe aus Flex oder Handbohrmaschine gehen auch, indem man sie doppelt einbaut - es wird dann nur etwas aufwändiger.

    Der Ersteller des Videos (1bad55chev) hat anscheinend auch ein Faible für Dampfmaschinen und Minieisenbahn wie man in einigen seiner Videos sehen kann  ;)  

    Ich muss mich aber entschuldigen - ich lenke zu sehr vom eigentlichen Thema ab ;)

    Der Weg ist das Ziel ;)

    3 Mal editiert, zuletzt von Rudiratzrutz (8. September 2013 um 15:34)

  • Was lange waehrt... Ich war im Oktober/November in Deutschland und hatte mir die Radguesse von Atelier MB bestellt. Auf dem Rueckflug war zwar mein Gewichtslimit fuer das Gepaeck fast erreicht, das machte aber nichts, da ich auf dem Hinflug ein zerlegtes Dreirad (der klassische rote Radio Flyer)fuer meine kleine Enkeltochter im Gepaeck hatte, das etwa genausoviel wog :). Ich hatte also "leicht" gepackt. Inzwischen haben wir die Raeder auf der grossen Drehmaschine meines Freundes Dennis bearbeitet. Bis auf einige wenige harte Stellen in der Aussenhaut (heisst das so auf Deutsch?) liessen sie sich sehr gut bearbeiten. Hier das Ergebnis:

    und eine Nahaufnahme des Getriebes:

    Inzwischen bin ich dabei, die Archbar (Fachwerk-?) Seitenblenden aus 1/2" x 1/8" (ca. 13mm x 3mm) Flachstahl zu fertigen. Dazu habe ich mir eine Biegevorrichtung gebaut, die ich in dem Shay Buch von Harris gefunden hatte (Ich hatte es zwar schon mal erwaehnt, aber die Original Harris Lok steht bei mir in der Garage :) :(

    Der erste Biegeversuch ging schief, der Radius war zu gross. Ich habe dann die Biegevorrichtung veraendert, mal sehen, was jetzt draus wird.
    Regards
    Henner

    5 Mal editiert, zuletzt von henry945 (8. Dezember 2013 um 23:55)

  • Die Drehgestelle sind fast fertig. Mein Freund Dennis hat die "Journals" in Zamak gegossen und ich habe sie mit 4-kant Stahl verstaerkt. Die Achslager sind aus Alu (teilweise CNC gefraest) und die Deckel wieder in Zamak gegossen. Die Achsen laufen in Nadellagern, die ich aus einem abgebrochenen Projekt meines ehemaligen Arbeitgebers gerettet hatte.

    Die Wiegen sind aus Hartholz, von meinem Freund Eric gefertigt. Er wird auch den Holzrahmen(!) dieser Lok bauen

    Die laengsverschieblichen Kardanwellen sind auch schon so weit fertig, zusammen mit dem CNC gefraesten Deckblechen des Maschinenrahmens. Ein Modellbahner aus Deutschland hat mir speziell gefertigte Federn zukommen lassen, die als Naechstes eingebaut werden:

    Die kardangelenke der 12Tonnen A-Climax sahen denen von LKW's aehnlich, sodass ich auf kaeufliche Teile zurueckgreifen konnte. Alle anderen Typen hatten ringfoermige Gelenke. Bei meinem augenblicklichen Deutschlandaufenthalt hat mir Dampfspieler noch die Zahnraeder zwischen Maschine und zentraler Laengswelle besorgt, sodass es jetzt zuegig weitergehen kann.
    Regards
    Henner

  • Hallo,
    ich lebe noch und auch meine Climax hat deutliche Fortschritte gemacht. Seit heute habe ich ein rollendes Chassis:

    und

    und

    Hier noch einmal ein Drehgestell mit den 3D-gedruckten Zahnraedern:

    Die Holzteile wurden von meinem Freund Eric gesaegt. Nachdem ich die Ausklinkungen fuer Wiegebalken, Maschinenrahmen sowie die Bohrungen fuer die Rungentaschen erledigt habe, gehen die Holzteile wieder an Eric zurueck, um sie entprechend zu verwittern/altern. In der Zwischenzeit werde ich mich mit dem stehenden Kessel beschaeftigen. Material ist schon vorhanden und alle Rohrwaende sowie der Bodenring gebogen. Ich werde jetzt zunaechst die Konstruktion mit einem hiesegen Experten von den Golden GAte Live Steamern absprechen, ehe ich Feuerbuechse und Rohre einbaue.
    Regards
    Henner

  • Chris,
    Du hast natuerlich recht. Die Dampfmaschine ist in der Tat ca. 10% zu klein. Auf laengere Sicht werde ich sie durch einen Eigenbau ersetzen. Plaene dazu habe ich und ausserdem bin ich in Kontakt mit John Lewis, einem der Autoren des grossen Climax Buches und Experte fuer die Dampfmaschine. John hat Zugang zu einer der letzten erhalten gebiebenen Maschinen. Nachdem ich jetzt wieder ein 3D CAD-Programm habe (http://cubify.com/products/design), sollte es mir nicht zu schwer fallen, die Gussteile zu konstruieren. Ich kann uebrigens dieses Programm sehr empfehlen. Ich hatte kuerzlich damit eine komplette Bakersteuerung inklusive Animation fuer einen Freund erstellt.
    Regards
    Henner