• Weichen auf der HFB


    Hallo allerseits,
    nachdem im letzten Jahr der V75Christian mal eben schnell drei Weichen baute und diese dann auch so an die 8 Monate im Garten 'herumlagen', hatte ich natürlich auch genügend Gelegenheit, diese zu befahren. Dabei stellte sich heraus, dass im Zungen- und Herzstückbereich in Stellung 'Rund' einiges gar nicht rund lief. Die unterschlagenden Zungen waren nämlich einfach gerade ausgeklinkt, was im Geradeauslauf problemlos ging, im Abzweig aber zum Anstoßen und Aufklettern der Spurkränze führte. Außerdem waren der Anstellwinkel des Einlaufs in die Radlenker der Kurve viel zu steil, so dass es die Lok regelrecht 'herumriss', wenn man das Herzstück erreichte. Zu guten Schluss lag die Stelleinrichtung einfach so im Schotter und das Stellen der Weiche wurde dann doch durch diesen behindert. Eine Fixierung der Endlagen war auch noch nicht vorhanden. Die erste Idee einer seitlichen Stellvorrichtung wurde wegen der erforderlichen langen Befestigungsschwellen und der Gefahr, im entscheidenden Augenblick dann doch darüber zu fallen, verworfen.
    Beim WeiMi hatte ich mir abgeguckt, wie er in einigen Bereichen die Endlage der Weichen fixiert hatte - mit umsteckbaren Passstiften in der Stellschwelle. Die Fotos zeigen, wie die erste Weiche umgebaut worden ist:
    1. Die Radlenker wurden im Einlaufbereich so angeschweißt, dass der Abstand zur
    gegenüberliegenden Schiene bei einer Spurweite von 245mm
    (+5mm wegen der Kurve )=K=230mm beträgt. Gegenüber dem Herzstück sind es dann
    233mm, um ganz sicher ein Anstoßen des Spurkranzes an der Herzstückspitze zu verhindern.
    Ich muss ja wegen der NEM310G von K und B 20mm abziehen, da ich auf 240mm fahre.
    2. Auf der Ausklinkung der abweisenden Zunge wurde in Stellung 'Abzweig' ein Stückchen
    Flachstahl aufgeschweißt und dann mit der Flex beigeschliffen, so dass jetzt ein
    gleichmäßiger Übergang in den Bogen erfolgt,
    3. Unter die Stellschwelle wurde ein passendes U-Profil mit mittig eingeschweißter Auflage-
    platte für die Stellschwelle eingebaut und mit den Außenschienen verschweißt.So ergibt
    sich jetzt ein Kanal, in dem sich die Stellschwelle frei bewegen kann und aus dem das
    Wasser beidseitig abfließen kann.
    4. In den jeweiligen Endlagen der Zungen wurde durch die Stellschwelle in die Auflageplatte
    eine 8mm-Bohrung hergestellt, diese nimmt dann einen Passstift auf. Der erhält eine
    Augenmutter zum Herausziehen und wird mit einer Kette an der Stellschwelle befestigt.
    Gelb gestrichen fällt er gut ins Auge.
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    Gruß vom Heizer

  • Mahlzeit Helmut,

    der Weichenbau ist schon eine nicht ganz triviale Sache, da kann man viel Lehrgeld zahlen.
    Für Feldbahnweichen ist es üblich relativ kurze Gelenkzungen mit einem Überschneidungswinkel größer Null zu verwenden. Um auch im abzweigenden Strang einen guten Übergang von der Backenschiene auf die Zunge zu erreichen, ist es ratsam, die Backenschiene seitlich etwas auszuklingen, damit die Fahrkante der Zunge auch ohne seitlichen Versatz gegenüber der Backenschiene bleibt.

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    Bei meinen schweren Weichen fräse ich die Backenschiene 2 mm tief aus, so dass die Zungenspitze in der Aussparung Platz findet.

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    Je nach vorhandenem Platz am Einbauort verwende ich Winkelstellböcke oder normale Stellböcke. Die Weimi-Variante ist
    sicherlich recht minimalistisch und tut ihren Dienst, für mich wäre es aber auf Dauer zu umständlich, sich jedesmal zu bücken oder hinzuknien.

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    Die Radlenker im Herzstückbereich schweiße ich nicht fest, sondern verschraube sie mit je 2 Stück M8-Schrauben. Zu Einhaltung der Leitweite verwende ich Distanzstücken aus dickwandigem Stahlrohr. Durch Beilegen von U-Scheiben lassen sich die Leitweiten bei Bedarf einfach anpassen.

    Gruß Sven

    Lehrling von Nikolaj Nikolajew Lokomofeilowytsch, der unter einer sibirischen Eiche eine Dampflok aus dem Ganzen feilte... :D

  • Hallo Heizer,
    sehe ich das richtig, die U-Profile, die als Schienen genutzt werden sind nach innen geöffnet?
    Wenn ja, dann laufen die Räder ja nur auf der Kante, da warmgewalzte U-Profile nie 90°-Schenkel haben.
    Eigentlich müssten die Profile gedreht werden, dass die Öffnung nach außen zeigt.
    Volker

  • Gibt es eigentlich auch Erfahrungen mit Rückfallweichen? Bei der Weimi-Variante könnte man ja die Stellschwelle mit einer Feder belasten - dann könnte in den meisten Fällen(z.B. bei Umfahrungs- und Ausweichgleisen) ein Umstecken des Arretierbolzens entfallen!

    Der Weg ist das Ziel ;)

    Einmal editiert, zuletzt von Rudiratzrutz (25. April 2016 um 14:17)

  • Genau so macht das der WeiMi bei einigen Weichen. Das sind federbelastete Rückfallweichen, die bei Bedarf arretiert werden können.

    @Volker und Jonas
    Ich habe tatsächlich die Profile im Bereich des Zungenunterschlags ( so ca. 15cm ) gedreht eingeschweisst, so dass die Zungen vollständig unterschlagen können. Dazu habe ich 4mm oben und unten vom Steg weggenommen. Dadurch wird eine Führung , auch im Bogen, des Spurkranzes erreicht, so dass er beim Geradeauslauf ohne anzuschlagen über die Ausklinkung läuft. Im Bogen läuft er ja spitz, und deshalb muss der Anlaufkeil oben ausgebildet sein. Er befindet sich aber faktisch noch im Geradelaufbereich, daher läuft der Spurkranz erst an die Keilflanke und praktisch nie an die Spitze an.
    @Sven
    Zum Ausfräsen hätte ich die Profile zum WeiMi schaffen müssen - ich wollte aber unbedingt eine Lösung, die das vermeidet. Somit kann ich alles in meiner Werkstatt zusammenbauen und relativ grobschmiedmäßig vorgehen. Außer Flex und Schweissgerät brauche ich dazu nichts.

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    Gruß vom Heizer

    Einmal editiert, zuletzt von ateshci (25. April 2016 um 16:55)

  • Mahlzeit Helmut,

    das Ausfräsen kann man auch mit der Flex machen. Ich fräse das auch erst, seit ich eine eigene Fräsmaschine zur Verfügung habe.
    Beim Vorbild war das auch nicht anders, gehobelte Zungen hat man zumeinst nur vom Hersteller bezogen, im Eigenbau wurde zumeist mittels Schneidbrenner und Trennjäger gearbeitet.

    Hier man ein paar Bilder:

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    Weiche mit gehobelten Zungen aus Schienenprofil bei der 600-mm-Feldbahn der Fa. Lasselsberger in Skalna/Tschechische Republik. Gut zu erkennen der ausgebrannte Schienenfuß an der Innenseite der geraden Backenschiene. Die Zungen besitzen eine sehr schlanke Keilform für einen guten Lauf. Das Gelenk wird durch lose angeschraubte Laschen gebildet.

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    Weiche mit gebrannten und geflexten Eigenbauzungen bei der gleichen Bahn, im Hintergrund der Lokschuppen im Betriebshof. Die Keilform der Zungen ist relativ steil, der Überschneidungswinkel größer als bei den gehobelten Zungen. Das Gelenk ist ebenfalls aus Laschen gebildet.

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    Weiche mit Blockhobelzungen aus speziellen Walzprofil und untergebauten Gleitplatten an der Einfahrt zur Grube Nova Ves. Das ist schon die "Luxusvariante" der Feldbahnweichenzungen mit sehr schlanker Bauform, beidseitig lang ausgehobelt. Der Überschneidungswinkel ist hier nur noch minimal. Das Gelenk ist hier ein Drehstuhl unter dem Zungenende mit einem Bügel, der die Zunge vor dem Abheben schützt.

    Gruß Sven

    Lehrling von Nikolaj Nikolajew Lokomofeilowytsch, der unter einer sibirischen Eiche eine Dampflok aus dem Ganzen feilte... :D

  • Mahlzeit Reinhard,

    nach oben hin gibt es immer noch was besseres:

    Bei der Waldeisenbahn Muskau werden derzeit neue Federzungenweichen mit 100 m Abzweigradius verbaut und zwar auf der Neubaustrecke zum Aussichtspunkt schwerer Berg. Aber das hat mit den kurzen Feldbahnweichen, die Helmut und ich auf Spur 10 bauen, nix mehr zu tun ;)

    Gruß Sven

    Lehrling von Nikolaj Nikolajew Lokomofeilowytsch, der unter einer sibirischen Eiche eine Dampflok aus dem Ganzen feilte... :D

  • Mahlzeit Helmut,

    Reinhard meinte eine Zungenweiche mit beweglicher Herzstückspitze, sowas hier:

    ehfb.jpg_37014894.jpg

    Auf deinem Bild ist eine Schleppweiche mit drehbarem Herzstück zu sehen.

    Gruß Sven

    Lehrling von Nikolaj Nikolajew Lokomofeilowytsch, der unter einer sibirischen Eiche eine Dampflok aus dem Ganzen feilte... :D

  • @Sven
    Das ist mir schon klar. Aber so eine Bauform ist möglicherweise als erstes Weichenbauprojekt leichter zu stemmen als eine Zungenweiche mit festem Herzstück - man braucht sich nicht um Rillenweiten, Radlenker, Spurkranzdicke und lichte Innenweite des Radsatzes zu kümmern.

    Gruß vom Heizer

  • Wenn es darum gehen soll, das Herzstück und die Radlenker einzusparen, gibt es noch eine weitere Version:

    Beide Weichenzungen fest miteinander verbinden und das Ganze drehbar lagern; beim Umschalten bewegen sich die Zungenenden wie bei einer gewöhnlichen Weiche von einer Backenschiene zur anderen. Am anderen Ende - also da, wo sich normalerweise das Herzstück befindet - bewegen sich die Zungenschienen in die andere Richtung und stellen dort jeweils eine lückenlose Verbindung her.

    Ich bin mir sicher, es irgendwo einmal gesehen zu haben, finde jetzt aber kein Beispielbild;

    Ersatzweise darum diese grobe Zeichnung:

  • Mahlzeit!

    Schleppweichen kann man auch noch weiter vereinfachen:

    Au09.JPG

    Au10.JPG

    Bei dieser Variante besteht das Herzstück aus einer einfachen Auflaufplatte für den Spurkranz. Wenn man das ganze dann noch spiegelt hat man eine DKW.

    Alle diese Konstruktionen haben jedoch einen entscheidenden Nachteil im Betrieb: das Befahren der Weiche vom nicht gestellten Strang aus führt unweigerlich zu einer Entgleisung.

    Gruß Sven

    Lehrling von Nikolaj Nikolajew Lokomofeilowytsch, der unter einer sibirischen Eiche eine Dampflok aus dem Ganzen feilte... :D

  • Alle diese Konstruktionen haben jedoch einen entscheidenden Nachteil im Betrieb: das Befahren der Weiche vom nicht gestellten Strang aus führt unweigerlich zu einer Entgleisung.

    No risk...no fun!
    Andrerseits kriegt man das auch mit den verriegelten Zungenweichen hin. Und ich bin mir nicht sicher, ob man immer über die Stellstange das Gewicht so weit hochdrücken kann, dass die Zunge aufgefahren werden kann.

    Gruß vom Heizer

  • Mahlzeit Helmut,

    in der Gewichtsklasse von 10 1/4"-Lokomotiven ist eine Entgleisung schon nicht mehr so einfach zu beheben, wie auf 5". Ich habe gestern erst das "Vergnügen " gehabt meine Ns 1 einzugleisen, was jedoch nicht an einer Weiche, sondern einem einem Kiesel auf der Außenschiene eines Bogens lag.

    Die unverriegelten Weichen lassen sich mit der Lok recht problemlos auffahren, bei Wagen ist das schon eher masseabhängig.

    Gruß Sven

    Lehrling von Nikolaj Nikolajew Lokomofeilowytsch, der unter einer sibirischen Eiche eine Dampflok aus dem Ganzen feilte... :D

  • Grandios!
    Neben der einfachen Bauweise, Einsparung von Herzstück und Radlenkern kommt bei der Modellbahn noch ein weiterer Vorteil dazu: lückenlose Stromzuführung!

    Der Weg ist das Ziel ;)