Rosebud
Nicht das letzte Wort des Zeitungszars Citizen Kane auf dem Sterbebett aus dem gleichnamigen Film mit Orson Welles ...
Gemeint ist hier die Rosebud Mining Co. in USA, deren Kohle mit relativ niedrigem Brennwert auch auf Lokomotiven eingesetzt wurde. Dies funktionierte nur mit Rosten die speziell für diese Kohle konstruiert wurden, und deshalb auch Rosebud Roste heißen.
Hier sind die Reste eines solchen Rostes von einer Amerikanischen Lok zu sehen.

Das Bild mag einen falschen Eindruck erwechen... ist halt von einem Schrottcontainer.
Auch in Australien wurden solche Roste eingesetzt, bei der A2-Lokomotive (Victorian Railways A2 class 1915)

und anderswo gab es zaghafte Ansätze, eine Wirbelschicht-Feuerung bei Dampflokomotiven einzusetzen.
zB vielleicht hier nachzulesen: http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,5196291
Und eine Wirbelschicht-Feuerung funktioniert sogar bei Dampflokomotiven 'in unserem' Maßstab !
http://modeleng.proboards.com/thread/6570




Dieses Rost hier ist so konstruiert, daß es seitlich unter der Feuerbüchse hervorgezogen werden kann.
Kürzlich hab ich eine STAFFORD Lokomotive (StationRoadSteam) in Betrieb gesehen, die ein Rosebud-Rost in den Marine-Kessel der Stafford integriert hatte.
Leider hab ich kein Foto von dem Rost hier, doch ich kann versichern, daß die Lok hervorragend damit lief.
Warum kann ein Rosebud-Rost bzw eine Wirbelschichtfeuerung bei einer Modell-Lok attraktiv sein?
Der Begriff "Wirbelschichtfeuerung" besagt es beinahe schon. Das brennende Kohlebett ist nicht statisch, sondern es besteht aus einer Wirbelschicht, bei der die brennenden Partikel in einem aufwärtsströmenden Gasstrom 'herumtanzen' oder sogar schweben. Eine Wirbelschicht ist deshalb immer homogen, dh. es gibt keine Löcher oder Klumpen. Eingetragen Kohle verteilt sich immer gleichmäßig über das ganze Wirbelbett. Die tanzenden kleinen Brocken zerreiben sich gegenseitig. Eine Ansammlung von "Klinker" kann es kaum geben (zumindest nicht beim Modell, soweit mir bekannt). Die Rostfläche selbst wird gleichmäßig belastet. Das Rost kann nicht durchbrennen oder verstopfen. Asche und Schlackepartikel werden in Richtung Rauchkammer abtransportiert.
Es gibt auch Nachteile oder eher "Eigenheiten":
Die Feuerung wird auf die traditionelle Art angezündet. Nachdem ein erstes stabiles Glutbett vorliegt, MUSS BIS ZUM ENDE des Fahrtages der Wirbelzustand des Wirbelbettes unterhalten werden. Wenn kein Saugzug durch den Auspuff des Blasrohres vorliegt muss immer (!) der Hilfsbläser laufen. Ohne den konstanten Zustrom von Verbrennungsluft sackt das Glutbett in sich zusammen und kann dann doch zusammenbacken. Die Korngröße der Kohle muß der Wirbelschicht angepaßt sein.
Der Brennstoff einer STAFFORD sind normalweise Kohlebrocken mit Größen zwischen Hühnerei und Zitrone. Die Rosebud/Wirbelschicht STAFFORD fuhr einwandfrei mit der für eine 5" Lok typischen Kohle wie wir sie zB von Karlsruhe kennen. Der Eindruck der Feuerung in der FB war nachhaltig: eine glühende, brodelnde 'Masse'. Ich vermute allerdings, daß das Erlernen des Fahrens mit einem Rosebud-Rost einen wesentlichen Lernprozess erfordert.
Die wesentlichen Parameter bei einer Wirbelschichtfeuerung sind: Gasgeschwindigkeit, Dichte der Brennstoffpartikel und die sog. Net Free Area (NFA). Das ist der Anteil der summierten Flächen der Löcher in der Rostplatte bezogen auf die totale Rostfläche (der Querschnitt durch die Feuerbüchse auf Rosthöhe).
Die optimale NFA beträgt nach den Experimenten bei 7,25" Loks etwa 12.5%
Die Bohrungen in der Rostplatte (12 mm 'normaler' Stahl) sind 3 mm im Durchmesser. Von der Unterseite aus werden die Bohrungen mit einem Zentrierbohrer auf 5 mm aufgeweitet, auf den letzten 3 mm Bohrtiefe behalten die Bohrungen den Durchmesser von 3 mm. Die Rostplatte besteht also aus einem Feld von sehr vielen Düsen, die sich in Richtung FB auf 3 mm verengen.
Aus NFA und der totalen Rostfläche berechnet man die Anzahl aller Düsenbohrungen. Diese Anzahl definiert dann das zu erstellende Lochmuster. Im Beispiel von Boadicea's Rosebud Grate sind das mal lockere 224 Bohrungen. Wenn der Zustrom von Verbrennungsluft irgendwo durch die vorhandene Konstruktion von Aschkasten oder Rahmen behindert sein sollte, dann kann man einige Bohrungen anpassen.
Verspürt jemand Lust, es auch mit Rosebud zu versuchen?


