Dreipunktlagerung bei Feldbahnfahrzeugen

  • Hallo allerseits,
    neben dem Gleisbau meiner Feldbahn habe ich mich mal am Sonntag ( man darf ja nicht so viel Krach machen ) mit dem Wagenbau befasst. V75 Christian hatte mir mal eben schnell zwei Achsen mit auf 10,25" Spurkranzprofil aus meinen 125er K+K-Rädern gemacht ( Übrigens absolut lunkerfrei! ) Ein Flachwagen zusätzlich wird ja immer gebraucht, also mal schnell aus Bangkirai-Rahmenholz den Rahmen gebaut und mit maximal zulässigem Achsstand ( 600mm bei R=4500mm ) zusammengeschraubt. Zum Test den Hang hochgezogen und dann abrollen lassen - peng! In der Kurve flog das Ganze so was von schön raus. Klar, etwas Kreuzschlag ist immer und bei einer Spurkranzhöhe von 8mm und dem Achsstand ist man schnell über dem Schienenkopf. Ab in die Garage und -reusel- da waren doch noch diese Gummimetallager. Die müsste man natürlich, wenn man es richtig macht, unter alle Achsen setzen und so eine volle Federung erzielen. ich war aber faul und sagte mir - eine feste Achse und eine 'dreipunktgelagerte' müssten es doch auch tun. Anbei die Bilder - mit dem Protagonisten als Last ( 78kg ) federten diese gerade mal 1mm ein und im Selbstversuch auf dem Wagen bis in die Einfahrt durchgerauscht ( G. Hackl lässt grüßen )

  • Moin Helmut,

    das hast Du ganz fein falsch erklärt.

    Der Begriff der Dreipunktlagerung bezieht sich auf das Fahrzeug und bedeutet, dass der Rahmen an drei Punkten auf den Achsen abgestützt ist. Wenn die alle gefedert sind, ist es eine voll gefederte Dreipunktlagerung.

    Bei einem zweiachsigen Fahrgestell bedeutet das, dass die erste Achse zwei Federelemente außen hat (beim Vorbild meist längs eingebaute Blattfedern), die beide getrennt am Rahmen angreifen. Die zweite Achse hat nur ein Federelement (beim Vorbild meist quer über der Achse eingebaute Blattfeder), das in Fahrzeugmitte angreift.

    Nachzulesen ist das in der Betriebsanleitung MBA-Dampflokomotiven vormals Orenszein & Koppel Berlin auf Seite 12. Und wer das mal im Modell sehen möchte, sollte sich die 5"-O&K-Feldbahnlok von O.S. ansehen, wo es vorbildgerecht gelöst ist.

    Grüße Dietrich

    Feinblechner können machen aus feinen Blechen feine Sachen.

  • Hallo Helmut

    Wenn Du Dein Fahrzeug mit zB einer Gehwegplatte belastet hättest, dann wäre Dein Flachwagen vielleicht nicht entgleist. Die Neigung einer Achse zu entgleisen hängt nämlich ab von dem Verhältnis der Lateralen, seitlichen Kraft zu der Vertikalen, senkrechten Kraft (L/V) am Kontaktpunkt zwischen Rad und Schiene, sowie von dem Kontaktwinkel zwischen Rad und Schiene. Der Kontaktwinkel ist der Winkel der Tangente von Schienen oder Radprofil am Kontaktpunkt Rad/Schiene.


    Ein L/V Verhältnis von 1.5 oder ein Kontaktwinkel > 70 Grad kann ein Rad veranlassen, innen an der äußeren Schiene 'herauf zu klettern' und die Achse entgleist. Wenn Spurkranz oder Gleis bereits abgenutzt sind, dann können schon Kontaktwinkel von ca 45 Grad zur Entgleisung führen.


    Vielleicht machst Du den Versuch noch einmal, diesmal aber mit belastetem Fahrzeug und berichtest über Deine Beobachtung....

  • @Johannes
    das habe ich schon mit einem Flachwagen, dessen fest montierter Achsstand 40cm beträgt, durch. Leer ist der mit äußerster Vorsicht zu genießen, weil er gerne an den entsprechenden Stellen aufklettert. Sobald er mit ca. 40kg beladen ist, läuft er schön brav in der Spur und mein Sohn kann damit die 6% Rampe herunterrollen, durch die untere Kurve flitzen und dann in der Einfahrt entweder vor oder 'in' den Mülltonnen zum Stehen kommen.
    Mein Fazit ist, dass ich keine ungefederen Wagen mehr einsetze, denn sie müssen auch leer betriebssicher sein. Und die Gummimetallager gibt es passend für alle Einsatzfälle . Sie kosten auch nicht die Welt.
    Nachtrag:
    Der Testwagen mit den Gummifedern läuft natürlich auch unbelastet problemlos durch die ganze Strecke ( und der wird dabei ganz schön schnell )

    Gruß vom Heizer

  • Mahlzeit Helmut!

    Der Achsstand des Wagens ist für die Radien einfach zu groß, das macht auf die Dauer nicht wirklich Freude. Ich kann nur raten das Gleis sauber nivelliert zu verlegen oder ggf. eine Leitschiene einzubauen. Ich habe auf meiner Anlage Radien von 5 bis 2,5 m und bis auf die Kastenlore 2 nur ungefederte Wagen mit maximal 450 mm Achsstand. Auch solltest du bedenken, dass die Losräder von Haus aus schlechtere Laufeigenschaften haben.

    Die Holzschrauben in den Achshaltern erscheinen mir im Übrigen etwas sparsam dimensioniert ;)

    Gruß Sven

    Lehrling von Nikolaj Nikolajew Lokomofeilowytsch, der unter einer sibirischen Eiche eine Dampflok aus dem Ganzen feilte... :D

  • @Sven
    Mitnichten. Bei einem Raddurchmesser von 300mm ( 125er Räder M1:2,5 ) und einem Kurvenradius von 4m ( =10m im M1:2,5 sowie 600mm Spurweite ) dürfte nach der mir vorliegenden Tabelle 2500mm entspr. 1000mm Achsstand zulässig sein . Ausgehend von einer (Vorbild)Spurkranzhöhe von 20mm = 8mm( siehe 10.25".Normen) ist das alles zulässig - nur wenn ich mir dann das Rad in der Kurve betrachte - deshalb meine Beschränkung auf 600mm = 1500mm des Vorbilds. Nur ohne Federung läuft da nichts.

    -Achshalterung
    Die Holzschrauben halten bombenfest. Beweis: Der Protagonist meinte, er müsse von ganz oben runtersausen und in der Kurve am Ende der Steigung legte er sich aus Schiß zu weit nach innen (das Ding war aber auch verdammt schnell ) und das führte zur Entgleisung - der Wagen schoß wie eine Rakete in den Zaun und der A... des Passagiers bremste auf dem Schotter. Ein paar blaue Flecke des Passagiers waren alles, der Wagen sah immer noch ganz munter aus, obwohl er mit den Achsen ganz schön gegen die Betonmauer des Zauns geknallt war.

    Gruß vom Heizer

    Einmal editiert, zuletzt von ateshci (3. August 2015 um 22:12)

  • Hallo Helmut,

    das klingt interessant, welche Tabelle hast du denn da verwendet?
    Ich habe die genannten Achsstände aus meinen eigenen Erfahrungen mit den engen Bögen ermittelt.

    Gruß Sven

    Lehrling von Nikolaj Nikolajew Lokomofeilowytsch, der unter einer sibirischen Eiche eine Dampflok aus dem Ganzen feilte... :D

  • Hallo allerseits,
    am letzten Samstag musste 'auf die Schnelle' ein Bedienfahrzeug für die Lastprobefahrten auf der Steilstrecke her. Deshalb bekam das fahrgestell ein auf 500mm verkürzten Achsstand und entsprechedne Aufbauten verpasst. Die Verbindung der Achsen mit dem Rahmen über zwei feste und zwei gefederte Punkte stellte sich für den Betrieb als sehr günstig heraus. Wenn sich die feste Achse unter dem Bediener befindet, können dessen Bewegungen den Rahmen nicht ankippen. Gerade beim Rückwärtsfahren kann durch Hin- und Herbewegen bei voll gefederten Achsen der Rahmen so weit kippen, dass er auf der Federwegbegrenzung aufsetzt und dann im ungünstigen Fall das gegenüberliegende Rad der anderen Achse die Spurkranzführung verliert. Die Ausführung mit einer festen und einer gefederten Achse erlaubt es, dass der Rahmen sich wie bei einer Dreipunktlagerung auf zwei Punkte der einen Achse abstützt und sich die andere Achse horizontal unter diesem drehen kann, ohne den Nachteil zu haben, dass sich bei außerhalb des Stützpunktedreiecks liegender Last ein instabiler Zustand ergibt. Das ist gerade bei Rückwärtsfahrt mit einem Bedienwagen, wo man sich doch mehr hin- und herbewegt, von Vorteil.