Ab und zu lohnt es sich, auch mal in die Vergangenheit zurückzublicken. Daraus kann man ableiten, was wir heute erreicht haben.
Es fing mit einem kleinen Inserat in Heft Jan/Feb 1967 der Zeitschrift 'moderne eisenbahn' an. Da stand zu lesen : "Erfahrungsaustausch! Wer baut ebenfalls Garten-Dampfbahnen 1:16 ? M. Knupfer ...". Im Heft Mai/Juni 1967 der gleichen Zeitschrift veröffentlichte Herr Wehrfritz das Bild seiner "Pacific" in Spur 7½ Zoll (Rohgussteile aus USA, Bau made in Germany). Dieses Bild war der Anlaß für die Herren Pönitz aus Bremen und Husemann aus Bielefeld, Verbindung mit Herrn Wehrfritz aufzunehmen. Man kam überein, weitere Gleichgesinnte zu suchen und Herr Pönitz gab in Heft Juli/Aug 1967 eine Anzeige auf: "Freunde dampfbetriebener Modelloks für Gartenbahnen. Ernsthafte Interessenten werden um Anschrift gebeten. Geplant ist Aussprachetreffen über Spurweiten, Materialbeschaffung usw. Vorgesehener Treffpunkt Bielefeld."
Auf der gleichen Seite stand eine weitere Anzeige von Herrn Knupfer: "Dampf-Gartenbahn-Freunde! Firmen! Verlage! Unser Interessentenkreis vergrößert sich zusehends. Neue Freunde wollen beraten werden. Viele Fragen lassen sich gemeinsam lösen! Bitte monatliches Freundes-Rundschreiben mit Informationen,Tips, Anschriften anfordern. M. Knupfer". Beginnend im August 1967 verschickte Herr Knupfer an anfangs 22 Dampfbahnfreunde Rundschreiben, in denen er Anschriften neuer Dampfbahnfreunde, Beschaffungshinweise und sonstige Tips vermittelte.
Über die Inserate kamen die Dampfbahnfreunde aus dem Süden und Westen Deutschlands zusammen. Beide Inserenten hatten Antworten aus allen Teilen Deutschlands erhalten. Es wurde daraufhin ein Treffen für den 24.September 1967 in Bielefeld vereinbart, an dem die Herren Carter, Feldmann, Grosse-Holtfort, Hausser, Hempel, Husemann, Pöge, Pohl und Pönitz teilnahmen (M. Knupfer konnte nicht dabei sein). Die Diskussion ergab, daß sich die Besprechungsteilnehmer schon einige Zeit mit dem Dampflokmodellbau beschäftigt hatten, ohne voneinander zu wissen. Es waren zum Teil schon Modelle fertig und betriebsfähig, das meiste aber noch im Bau oder in der Planung. Man war sich einig, daß für einen Clubbetrieb eine Normung der Spurweiten erforderlich war.
Der Erfolg von Bielefeld ermunterte Manfred Knupfer, regelmässige Treffen der Dampfbahnfreunde zu veranstalten. Er schlug für 1968 als Tagungsort Baierbach am Simssee (Bayern) vor, weil dort der aus den USA in seine Heimat zurückgekehrte Paul Reithmaier eine 120 Meter lange Rundstrecke mit 3½ Zoll-Spur erbaut hatte und für organisatorische Rahmenbedingungen gesorgt war. Das Treffen am Simssee war ein voller Erfolg. Es nahmen 70 Dampfbahnfreunde teil (bei insgesamt ca. 400 Besuchern) und es konnten 7 fertige Dampfloks gezeigt werden.
Beispielhaft sollen folgende Bilder zeigen, was da gefahren wurde:

Lok 9000 von Paul Reithmaier

55 2502 von und mit Manfred Knupfer

Englische Pacific von Peter Feldmann
Die gezeigten Loks waren für Spur 3-1/2" /89 mm, die Gleise waren aufgeständert.
Bald entstanden Gleisanlagen bei neu gegründeten Dampfbahnclubs. Die Spurweite 5"/127mm setzte sich bald durch. Die neuen Gleisanlagen wurden ebenerdig verlegt. In den späteren Jahren kamen immer mehr Fahrzeuge für die 7-1/4"/184mm Spur auf. Inzwischen gibt es rund 30 Dampfbahnclubs in Deutschland.
Übrigens : in England und den USA war das Dampfbahn-Hobby bereits in den Dreissigerjahren stärker verbreitet. Aber da hatten die Menschen in Deutschland andere Probleme.
Gerhard