50 Jahre Dampfmodellbahnen in Deutschland - was war damals los?

  • Aber jeden Jugendlichen, der sich für unser Hobby interessiert, gleich zum Bau einer Dampflok zu drängen ? Das ist ein tot geborenes Kind ! von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

    Dann doch eher erst einen Waggon bauen, dann die bekannte Feldbahn-Lok, damit durch schnelle Erfolge das Interesse weiter vertieft wird. Später an die Dampflok durch "Fahren lassen" heranführen. Dann kann ein zeitaufwendiger Bau einer Dampflok auch zum erfolgreichen Ende geführt werden.

    "Viehdokter"
    Dr.Michael Dörnfeld

    Mitglied bei den Emder Modelldampf-Freunden mit der Minibahn am Hauptbahnhof

    und beim Mini-Truckclub Osthessen (die mit dem Containerkran in Friedrichshafen !)

  • Ich als tendenziell Außenstehender habe eigentlich eher den Eindruck, daß auch solche Sätze wie "Man muß erstmal mit einem Wagen anfangen, eine Lok kommt erst viel später" demotivierend wirken können.
    Man kann die fehlende Finanzkraft von Jugendlichen ja auch so kompensieren, daß im Vereinsrahmen eine Lok gebaut wird. Dabei muß man den Jugendlichen ja nicht jeden Happen fehlendes Hintergrundwissen aufs Brot schmieren, sondern kann ihnen das Erfolgserlebnis aus dem, was sie bereits beisteuern können, gönnen. Hintergrundwissen bekommen sie dann eben später, wenn eine Anfangsmotivation erzeugt ist.

    Mir fällt immer wieder der krasse Gegensatz auf zwischen Eigentums-Lomomotiven von Einzelpersonen und dem ganzen Drumrum, das an einer ganzen Gruppe hängt. Einzelpersonen gestalten ihren eigenen Bereich extrem liebevoll, und alles drumrum ist oftmals sehr grob und lieblos geschnitzt. (Natürlich nicht überall!)
    Auf dieser Grundlage wird sich die Hoffnung auf viel Nachwuchs mit wenig "gemeinsamem" Aufwand wohl eher nicht verwirklichen.

    Wie heist jemanndt mitt ein Stöckchen in Popöchen? "Darm-Pflock-Führer"!

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    Niederstrasser, "Leitfaden für den Dampflokomotivdienst" - Download
    Garbe, "Die zeitgemässe Heissdampflokomotive" - Download
    "Theoretisches Lehrbuch des Lokomotivbaues" - Download

  • Moin,

    diese Diskussion müsste, wie Gerhard es angedeutet hat, in zwei Fragen aufgegliedert werden.

    1. Überlebt unser Hobby, also die Anlagen und das irgendwie darauf herumfahren?

    2. Wird es weiterhin eine Modellbauer-Elite geben, die hochwertige Dampflokomotiven in unseren Spurweiten baut?

    Die erste Frage würde ich ganz eindeutig mit JA beantworten. Der Einstieg ist in den letzten Jahrzehnten immer einfacher geworden. Komponenten zum Bau einer Ellok lassen sich innerhalb weniger Tage übers Internet beschaffen und los gehts. Wem das noch zu aufwendig ist, der kann auch einfach was fertiges oder was gebrauchtes kaufen. Es ist auf den Anlagen sichtbar, dass immer mehr diesen Weg gehen. Daran ist nichts falsch! Ganz im Gegenteil. Wenn erwartet wird, dass jeder erstmal ein paar Jahre eine Dampflok baut und in dieser Zeit vom Zusehen lebt, stirbt das Hobby sicher aus.

    Die zweite Frage ist schon schwerer zu beantworten, aber auch dort tendiere ich zu JA. Die hier teilweise geäußerten Erwartungen sind einfach unrealistisch. Wir können ja mal fragen, wieviele der "Altvorderen" schon als Teenager Gartenbahn-Dampfloks gebaut haben? Es gibt eine Hand voll, aber die allermeisten haben erst richtig damit angefangen, als die ersten Hürden im Leben (z.B. Haus und Kinder) genommen waren. Von den Jugendlichen heute wird aber erwartet, dass sie gleich nen falschen Vierling bauen. Ich kenne einige Modellbauer zwischen 20 und 40, die sich ernsthaft mit Bauprojekten befassen, aber das wird - wie früher - eher die Ausnahme bleiben. Die Generation 40+ hat eher das Geld, die Zeit und auch die nötige innere Ruhe sich auf so eine Langfristige Arbeit einzulassen. Alle anderen sollten sich derweil in den Vereinen auf anderen Loks die "Hörner abstoßen" können und die schönen Seiten des Hobbys genießen können. Daran ist doch auch nichts falsch.

    Vielleicht muss man auch mal den Blick auf die Quantitäten richten. Vor 35 Jahren gab es in Deutschland nur eine Hand voll Anlagen, auf denen sich eine kleine Gruppe Interesssierter herumgetrieben hat. Damals standen auf den Anlagen an Fahrtagen aber nicht 40 Dampfloks Puffer an Puffer und warteten auf Ausfahrt. Es waren auch nur eine Hand voll. Heute gibt es Dutzende Anlagen und an den Fahrtagen sind immernoch jeweils ein paar Dampfloks da. Absolut sind es also vielmehr Loks und Modellbauer geworden. Die vielen Anlagen und Veranstaltungen führen aber auch dazu, dass jeder genauer hinschauen muss, wohin er fährt. Das wird natürlich eines Tages zu einer gegenläufigen Bewegung führen und einige Anlagen werden wieder verschwinden. Solche Schwingungen gibt es immer und überall. Das bedeutet nicht, dass unser Hobby insgesamt den Bach runter geht.

    Zur Unfähigkeit der Jugend möchte ich auch noch was beisteuern. Wenn hier immer bedauert wird, dass die Metaller nur noch das Automaten-Beschicken lernen und deshalb wohl keine Loks bauen können, muss ich entgegnen, dass ein Großteil der bisher gebauten Loks von Fachfremden gefertigt wurden. Ich denke da an Musiker, Journalisten, Apotheker, Feuerwehrleute usw. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen, bevor der erste echte Schlosser auftaucht. Gesteht doch bitte auch der nächsten Generation die Fähigkeit zu sich die Kenntnisse Schritt für Schritt zu erarbeiten. Die Voraussetzungen dafür sind so gut wie noch nie!

    Seht die Chancen und Möglichkeiten unserer Zeit und habt etwas Vertrauen in die Generation, die lernen muss mit all dem zurecht zu kommen.

    MfG Peter

  • Tach zusammen,

    das Dampfmodellbau Hobby wird immer Bestand haben und auch in den nächsten Dekaden weitergeführt werden.

    Es mag sein, das es sich zum einem Nischen Hobby zurückentwickelt wird.
    Da wäre dann "Back to the Roots", dieses Hobby war ja zu Anfang nur ein Nischen Hobby, für nur wenige Modellbauer.

    Auch wenn sich der Nachwuchs, anderer Fertigungstechniken wie 3D Druck, CNC-Fertigung bedient, sind es nicht automatisch,
    die schlechteren Handwerker.

    Sie kommen nur anders zum Ziel.

    Der Planet und die Zeit drehen sich halt weiter, alles unterliegt einem ständigen Wandel.

    Ohne Rechner läuft in unserer Gesellschaft nicht, also ist es eine logische Konsequenz, das diese auch im Hobbybereich Einzug finden.

    Seltsamer Weise wird sich über 3D Druck und CNC-Maschinen aufgeregt, aber keiner meckert über einen Drehstrommotor mit FU an seiner Maschine.

    Es wird Zeit, dass Hamsterrad an der Drehbank durch einen E-Motor zu ersetzten, den Nachwuchs auf robusten (Dampf)Loks zu schulen und den
    Neurungen offen gegenüber zu treten, ihre Vorteile zu erkennen und für sich umzusetzen.

    Früher war alles besser, und die Gummistiefel aus Holz ... wer´s glaubt ...

    Gruß Bucki