Hallo zusammen!
Hier möchte ich Euch mein Erstlingswerk in 5" vorstellen. Ehrlich gesagt, als ich bei der Vorbildsuche unter meinen Kriterien auf den preuß. AT1 (https://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fischer_AT_1)stieß, konnte ich mir ein Stirnrunzeln nicht verkneifen. Nun wo Er 1 Jahr in Betrieb ist hat sich diese Vorbildwahl als Vollteffer erwiesen. Der Wagen sollte als elektrisches Fahrzeug auch ein elektrisches Vorbild haben. Bügelfahrzeuge benötigen eine Oberleitung was bei uns nicht zu realisieren ist, zumindestens wenn man darauf auch noch sitzen möchte. Einteilig also auch handlig sollte auch sein. So kam dann Das dabei raus:
Natürlich sollte der Wagen auch möglicht mit entsprechenden Getriebegejaule, was alte E-Fahrzeuge eben machen, auch fahren. Daher kam nur Tatzlagerantriebe mit Metallzahnrädern in Frage. Da kam als erstes Problem ein passender Motor auf, der auch zwischen die Räder passen soll. Da wurde ich auf den Torpedo 800 Motor von Conrad (222378) aufmerksam gemacht, dessen 5167UpM mit einem zusätzlichen Stufenzahnrad (12/24 oder 12/36 Zähne) zu bändigen sind. Wie beim Vorbild haben beide Endachsen einen Fahrmotor mit Tatzlagerantrieb erhalten. Mit 65W Leistung (36,6W Abgabeleistung) ist der Wagen gerade ausreichend bestückt. Das Vorbild war mit 2x 25PS Motoren auch kein Kraftprotz.
Nächstes Problem war die Mittelachse des 3achsers. Wegen der besonders kleinen Kurvenradien bei Modellbahnern ist hier eine großzügige Seitenverschieblichkeit erforderlich.
Die Lösung wurde eine Hohlachse mit Bronzelager und Wellendichtung, welche auf einer festen Welle dreh- und seitenverschiebbar läuft. Wie beim Vorbild ist diese Achse schwächer abgefedert, so daß die Endachsen die Hauptlast tragen. Der Rahmen und der Wagenkasten sind etwas breiter ausgeführt, so daß sich die Achse zu beiden Seiten bis zu 10mm bewegen kann.
Hier ein Blick auf den vorderen Anriebsmotor im Schutzgehäuse mit den Antriebszahnrädern 12, 12/36 und 42 Zähnen (Modul 1). Oben rechts der Motor für die mechanische Bremse und dadrunter 2 der 8 Fahr- und Bremswiderstände (0,12Ohm 25W).
Hier ein Seitenblick auf eine Antriebsachse. Lagerkasten, Feder und Federböcke sind Gußteile von Knupfer. Abgefedert wird die Achse von einer Spiralfeder hinter der Gußfeder. Viton O-Ringe als Federschaken geben der Illusion die notwendige Elastastität. Links neben dem Bremsgestänge sind die Federn zu sehen, über die der Motor seine Kraft zum Rahmen überträgt (wie beim Vorbild). Rechts sind die "Bahnräumer" sind mit einer Verbindungswelle, worauf ein Messingrohr liegt, besonders massiv als Entgleisungsfänger ausgeführt um das Bremsgestänge zu schützen. Diese Aufgabe hat diese Einrichtung bisher anstandslos erfüllt.
Hier ein Blick auf die mechanische Bremse (angelegt). Der Bremsmotor betätigt eine M6 Spindel und zieht eine Zugfeder an, welche die Bremskraft bestimmt. Über einen Schater kann die Bremse nur angelegt oder gelöst werden. Feinere und schnellere Bremsaufgaben übernimmt die dynamische Motorbremse. Oben das Läutewerk. Dieses ist frei mit Kunststoffträgern aufgehängt, so daß es keine Schlagwerksbewegungen akustisch auf den Wagenkasten o.Ä. übertragen kann.
Hier nun der Wagenkasten kurz vor der Vollendung. Aus Buchensperrholz verzapft und verleihmt. Danach gelasertes Birkensperrholz aufgelehmt, wo die Fensteröffnungen offen sind. Dazu weitere Streifen und Leisten um die Oberfäche plastischer zu gestalten. Erleichterte die Farbgebung ungemein. Allerdings ich der Wagen damit auch empfindlicher geworden, so daß Er für kleinere Kinder die ihre Füße noch nicht sicher auf die Trittbretter stellen können tabu ist.
Nun ein Blick in den Wagenkasten und der Technik. Mit einigen Kompromissen konnten in den beiden Füherhäusern funktionsfähige Fahrstände eingebaut werden. Somit ist sogar ein Pendelbetrieb möglich. In der Mitte befindet sich der 12V 52Ah Bleiakku, welcher mit stabilen Trennwänden gesichert ist (Aufprall). Rechts die Stromverteilung mit Batteriehauptschalter, Minusverteiler und Sicherungskasten mit Kfz-Flachsicherungen. In Anlehnung an die VDE 100 sind alle Leitungen mit max dem 10fachen Wert des Querschnitts in A abgesichert, also z.B. 1,5mm² mit 15A. Damit ist die Gefahr eines Kabelbrandes gebannt. Weiterhin ist rechts die 16 x 16A Steckverbindung zum Fahrwerk zu sehen, womit eine einfache Trennung möglich ist. Links die Relais auf Stecksockel mit Hutschienenmontage. Auf der Steckkarte befindet sich u.A. die Diodenmatrix, über Die die Relais entsprechend der eingestellten Fahr- oder Bremsstufe des aktiven Fahrschalters, angeschaltet wird. Wie beim Vorbild werden die Motoren mit und ohne Widerstände in Reihe oder Paralell geschaltet. Auf beiden Stirnseiten sind die Minisirenen als Signalgeber zu sehen. Da der AT3 oder besser als Wittfelder Akkutriebwagen (ETA 178) bekannt Sirenen hatte, hab ich diese hier auch eingebaut. Später erfuhr ich, daß der AT1 Hupen hatte. Geeignete Motorrollerhupen sind mir zu aggressiv so daß ich Motorhupen (Ford T) ausprobierte. Umbau nicht ausgeschlossen.
Hier nun mit abgenommenden Führerhausdach und eingesteckten Fahrschalthandrad. Das Laternendach ist als Sitzpolster ausgeführt, welches mittlerweile durch härtere Thermomatten ersetzt wurde da bequemer. Die unteren Trittbretter sind mind. halbe Fußbreite breit so daß man die Füße darauf abstellen kann. Das obere Trittrett (eher eine Leiste) hält dier Füße von der Seitenwand ab.
Nur die beiden unteren Lampen sind schaltbar, während die Obere Attrappe ist, da Diese lt. Signalbuch von 1910 und 1935 nur zur Ankündigung von nachfolgenen Sondezügen gebraucht wird.
Da man auf diesem Wagen sitzt braucht man keinen Bedienwagen. In den gemäßigten Steigungen in Klein Vollbüttel kann der Wagen 2 erwachsene Personen befördern. In der Brückenrampe in Braunschweig dagegen wird es mit meiner 90Kg "Fleischbeilage" echt eng.
Ohne Akku (~20Kg) kommt der Wagen auf ~25Kg und ist mit entsprechenden Traggeschirr gut zu händeln. Da in Ebenen und gemäßigsten Steigungen nur ~5A Strom gezogen wird, ist mit dem 52Ah Akku ein langer Fahrspaß gegeben.
Gruß Gerd