- Offizieller Beitrag
Hallo zusammen,
im Masterstudium an der HS-Karlsruhe an der ich studiere müssen alle Studierende zwei Projektarbeiten bearbeiten. Nach dem Modulhandbuch der Fakultät wird eine Projektarbeit wie folgt beschrieben:
"Die Studierenden sollen in der Lage sein im Team ein vorgegebenes Projekt selbstständig und strukturiert zu bearbeiten und alle Unterlagen zur stofflichen Verwirklichung zu erstellen."
Projekte können von Professoren angeboten oder selbst erdacht werden. Um die Zeit, die in die Projektarbeit zu investieren ist, sinnvoll zu nutzen schlug ich zwei meiner Freunden vor ein Projekt für das Ysebähnli durchzuführen. Der Santa Fe Zug, den Hannibal vor Jahren aus den USA importierte ist aktuell mit einer Vakuumbremse ausgerüstet. Das Bremssystem hat eine durchaus brauchbare Bremskraft, aber hatte schon immer Probleme mit der Dichtigkeit und damit, dass es sehr sehr träge ist. Wer das Ysebähnli kennt, weiß dass es nicht viele Meter Gleis sind die eben verlegt sind. Es geht mit bis zu 4,5% heiter auf und ab. Gute Bremsen sind also dringend notwendig, weswegen der Zug meist nur an nicht so betriebsreichen Tagen zum Einsatz kommt.
Aus diesen Gründen entstand die Idee den Zug samt Bedienwagen auf die sonst zum Einsatz kommende Druckluftbremse umzubauen.
Als erstes soll eine Kiste für den Bedienwagen gebaut werden, der eine Einheit für die Erzeugung der Druckluft und das Bremsventil beinhaltet. Die Kiste soll auch universell an anderen Zügen zum Einsatz kommen können, weshalb sie nicht fest in den Wagen eingebaut wird.
Als erstes haben wir einige Messungen durchgeführt, um den Iststand zu dokumentieren und am Ende des Projekt die neue Bremsanlage mit der alten vergleichen zu können. Gemessen wird der Bremsweg bei verschiedenen Geschwindigkeiten, der Druckverlauf beim Bremsen und die Bremskraft des Zuges bei verschiedenen Drücken.
Der Bremsweg zeigt eigentlich das Problem gut auf... bei einem leeren Zug bestehend aus der Lok Santa Fe, dem Bedienwagen und den drei Personenwagen ergibt sich ein Bremsweg bei "normale Geschwindigkeiten" von bis zu 12 Metern. Im Gefälle mit einem vollen Zug sieht das Ganze natürlich noch schlechter aus. Der parabelförmige Verlauf ist natürlich der kinetischen Energie geschuldet, die durch E=1/2*m*v^2 quadratisch zunimmt.
Gemessen wird auf einem halbwegs ebenen Streckenabschnitt. Während vorne gefahren und gebremst wird, wird hinten mit meinem Bedienwagen die Geschwindigkeit beim Bremseinleitung gemessen. Hier gerade kurz vor einem weiteren Testlauf.
Aus der Kraft, bei der der Zug gerade bei angezogener Bremse zu rollen beginnt wird die Totzeit berechnet, in der die Bremsung eingeleitet ist, aber noch keine Bremsung des Zuges stattfindet.
Der Zug wird übrigens nicht nur mit der Santa Fe genutzt, sondern auch noch mit einer Bezinlok vom Hannibal. Nach dem Projekt wird der Zug also öfters als jetzt auf der Strecke bei uns zu sehen sein.
liebe Grüße
Jonas