Hallo Dampfer,
der amerikanische Präsident Wilson hatte 10 Punkte zum Ende der Ersten Weltkrieges vorgelegt und Helmut Kohl 10 Punkte zur Wiedervereinigung. Es muß wohl was dran sein, auch wenn Luther über die Zahl 10 deutlich hinausging. Trotzdem hier 10 Thesen zur Lage. Ihr Sinn oder Unsinn wird sich dann schon ergeben.
1. Funktionsfähige Modelle von Dampflokomotiven stellen die absolute Oberklasse des Modellbaues dar.
Es folgen so Dinge wie Dampflokomobile, U-Boote und Hubschrauber in der 2. Liga, wenn sie denn nicht aus industriellen Baukästen entstehen.
2. Der Königsmaßstab ist 1:8 auf 7 ¼ Zoll Gleisen.
Grund ist einfach das ästhetische Bild, das der Full-Size-Mensch abgibt. Hinter 1:10-Maschinen wirkt er schon lächerlich. Und Schmalspurloks sind ohnehin von den Proportionen nicht angenehm.
3. Elektro- und Dieselantriebe sind dem Dampfantrieb gleichzusetzen, wenn sie maßstäblich und funktionell sind.
Damit werden bewusst Industriemotoren in Karosseriekulissen in das Gebiet der Disneyparks verbannt, und natürlich jeglicher E-Lok die Lorbeeren verweigert. Dieselloks mit 16 Zylindern hätten hier noch eine Chance, wenn denn einer das zum Laufen bringt.
4. Biller-Bahnen, also Feld- und Industriebahnen, haben als Spielzeug zu gelten.
5. Der SBBF-Virus (Schnell Bauen, Bald Fahren) muß überall bekämpft werden.
Er ist ein Überbleibsel der Spaßgesellschaft und einem anspruchsvollem Hobby unwürdig.
6. Öffentliche Fahrtage auf Clubanlagen, bei denen Kinder rundgekarrt werden, sind ein Ärgernis.
Der Irrtum, nur auf diese Weise dem Club Geld beschaffen zu können, führt zu einem falschen Bild in der Öffentlichkeit: Dampfbahner gehören nicht zum Showbusiness.
7. Dass Modelldampfkessel gefährlich seien, beruht auf derselben Hysterie, die Atomkraftwerke für das Ende der Menschheit hält.
Nichtwissen führt bekanntlich zu Ängsten, und alle Sätze, die mit <es ist aber besser?> oder <trotzdem drücke ich mit dem 2fachen Betriebsdruck ab> beginnen, bezeugen Nichtwissen.
8. Ein Dampfbahnforum im Internet verschwendet Initiative und Ambitionen der Modellbauer.
Eine solche Plattform für Alleinunterhalter erzeugt das falsche Gefühl, etwas für das Hobby getan zu haben. Es leitet das Bedürfnis nach Nachwuchsförderung und Basisarbeit ins Belanglose ab.
9. Deutschland ist Dampfbahnerprovinz.
Eine kaum ernsthaft umstrittene These. Wollen wir, soll das, geändert werden? Wohl kaum, denn jeder im Hobby ist sich selbst genug. Von den anderen will er nur kritiklose Begeisterung angesichts seiner Leistungen. Hurrah! Wir sind Deutschlands schönstes Dorf.
10. Da wir keine deutschsprachige Hobby-Zeitschrift verdient haben, ist es dringend notwendig, einen Ersatz zu schaffen.
Eine zugegebenermaßen bescheuerte These, aber doch so wahr. Druckmedien sind nicht mehr allein selig machend. Eine Internetseite mit einem, zwei, drei Bauberichten (Schritt für Schritt, wie im alten England) wäre ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für das nationale Hobby.
Dampf zum Gruß, Eberhard