Ein Caboose für den Tenwheeler

  • Hallo Zusammen,

    nachdem mein Tenwheeler langsam fahrfähig wird, wird es Zeit, dass es auch was zum Anhängen gibt. Ich fange mal von hinten her an, und was haben die US-Züge da: einen Caboose. Nachdem die M.M.R.R. ja eher eine Shortline ist, ist auch der Caboose kleiner, genauer gesagt ein Bopper Caboose. So einen hatte ich 2010 in Golden abgelichtet:

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    In den Tiefen des Netzes habe ich dann von diesem Fahrzeug auch ein paar Maßskizzen gefunden, und damit konnte der Bau beginnen. Es sollte kein 1:1-Nachbau werden, sondern zum Tenwheeler passen.

    Im Unterschied zum Vorbild, das einen Holzrahmen aufweist, habe ich mich für mein Standard-Fahrgestell entschieden. Das ist betriebssicher, und außerdem hatte ich noch einige Bauteile "im Regal".

    Die Radsätze sollten kugelgelagert sein, deshalb musste ich erst mal die Achlager konstruieren und fertigen. Weil der Wagen maximal 20kg wiegen wird, habe ich hier - wie beim Tender des Tenwheelers - Kunststoffteile eingesetzt, die ich mit meinem 3D-Drucker aus PETG gedruckt habe. Wer's wissen will: Auflösung 0,2mm, Füllung 80%, Druckzeit für 4 Stück 6 Std. 30 Min.

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    In die Achslager kommen Kugellager 22x8x7mm, die dort durch "Schiebesitz" halten (ich musste ganz schön "schieben"...).

    Als Radsatz bot sich der Speichenradsatz an, den ich vor Jahren in Karlsruhe bei den Westerwäldern erstanden hatte.

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    Die Längsträger bestehen aus U-Eisen 30x15x3mm, an die Enden habe ich jeweils einen Winkel 15x40x3mm angeschweißt. Die Endbleche hatte ich mir für meine sonstigen Wagenprojekte lasern lassen. Weil ich mich entschieden habe, das vorhanden Kupplungssystem auch hier zu verwenden (Mittelpuffer, Zughaken), lag es nahe, diese Teile hier zu nehmen. Die Achslagerführungen hatte ich ebenfalls vor längerer Zeit in Karlsruhe erstanden.


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    Mit den Längsträgern sind die Endbleche über 2x5 - M3-Schrauben je Ende verbunden. Sehr gut gemeint hat es der Konstrukteur der Achslagerführungen mit den Befestigungsbohrungen: 16 (sechzehn!) pro Teil. Ich muss aber zugeben, dass das Ergebnis nicht schlecht aussieht:

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    Die "Blattfeder" ist ebenfalls ein Laserteil aus meinem Baukasten, das sich in den anderen Wagen bewährt hat:

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    Jetzt muss der Rahmen nur noch seine Grundfarbe (Schwarzgrau) bekommen und das "Kleinzeug" (Puffer, Zughaken, Sperrbalken....) montiert werden, dann kann es mit den Holzarbeiten losgehen.

    Fortsetzung folgt...

    Andreas

  • So, nachdem ich noch ein paar Verbesserungen (hoffentlich!) am Tenwheeler vornehmen musste, geht's mit dem Caboose weiter. Weil die Radsätze herausstechen, musste doch noch eine Bremse her. Seltsamerweise hatte das Vorbild innenliegende Bremsbacken. Das scheint in der Anfangszeit der Eisenbahn durchaus üblich gewesen zu sein, wie ich in einem (wirklich) alten Schmöcker gefunden habe:

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    Die Bremsanlage muss keine Funktion haben (bei 15 kg Fahrzeuggewicht ist die Bremswirkung bescheiden), deshalb habe ich mich entschieden, die meisten Teile aus PETG zu drucken.

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    Weil schon alle Hebel aus PETG sind, habe ich dann auch die Gabelköpfe aus diesem Material gedruckt. Gewindeschneiden ist kein Problem, deshalb bestehen die Verbindungsstangen aus einem 4mm-Alu-Rund, das mit den Gabelköpfen verschraubt wird.

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    Fertig gespritzt sieht man von dem Material-Mix nichts mehr:

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    Als nächstes muss ich erst mal in den Baumarkt und Holz für den Aufbau beschaffen.

    Fortsetzung folgt...

    Andreas

    Einmal editiert, zuletzt von Livesteamer (18. Juni 2020 um 18:58)

  • Mittlerweile bin ich mit dem Aufbau ein Stück weitergekommen. Die Wände bestehen aus 9,5 mm Birke-Multiplex, das ich mit beim Baumarkt meines Vertrauens zuschneiden ließ. Dankenswerterweise gibt es je Seite nur ein Fenster sowie in den Stirnwänden die Türen. Die Fenster habe ich diesmal mit meinem Fein-Multimaster herausgeschnitten, das ging deutlich besser als mit Stichsäge oder dem Aldi-Dreieckschleifer.

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    Die Bretterfugen habe ich mit meinem Dremel-Klon und einer Diamantspitze, die im Set mit dabei war, eingebracht (Winkel anlegen, einmal 'rauf, einmal 'runter, fertig). Den Abshluss nach oben bildet ein Sims aus einem 10 x 20mm Rechteckprofil. Die Ecken werden später mit einem 10 x 10 Aluprofil überdeckt.

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    Das Dach ist ein separates Teil, das über Scharniere mit dem Kasten verbunden ist, denn ich will nicht nur einen leeren Kasten in der Gegend herumfahren. Abweichend vom Eingangs gezeigten Caboose 1008 ist das Dach nicht tonnenförmig, sondern wie ein Hausdach aufgebaut. Zur Montage habe ich mir eine Grundplatte aus Pressspan zugeschnitten und Montagehalter für die Dachpfetten gedruckt:

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    Die Seitenprofile aus Buche gab's im Baumarkt, die Flächen haben ein Neigung von 10°, was für das Dach genau passt. Mit den Montagehaltern war der Aufbau des "Dachstuhls" schnell erledigt:

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    Zum Schluss habe ich dann 2mm-Flugzeugsperrholz als Verstärkung mit den Balken verleimt, was die ganze Sache stabilisiert. Darauf kommt dann später die Dachpappe, in konkreten Fall 80er Schleifpapier von der Rolle.

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    Als nächstes kommt jetzt die Kanzel, die ist derzeit im Drucker....

    Fortsetzung folgt...

    Andreas

  • Die Kanzel ist fertig, außerdem sind die Fenster eingesetzt und das Dach mit Teerpappe (50er-Sandpapier) eingedeck. Damit man die Fugen nicht so sieht (und auch, um das Sandpapier zu schützen), wird das Dach noch schwarz gespritzt:

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    Ein Teil der Fenster sind Schiebefenster, die sich öffnen lassen. Auch die Türen sind beweglich, die kleinen Scharniere hatte der Chinamann, dankenswerterweise waren auch die passenden Schräubchen (geschätzt 8 x 1,2 mm, Kreuzschlitz) mit dabei:

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    Derzeit sind die Pufferbohlen mit Geländer und Leiter sowie die Dachreling in Arbeit.

    Fortsetzung folgt...

    Andreas

  • Für die Dachreling habe ich Träger gedruckt, auf die dann Kiefernleisten 9x2mm als Planken aufgebracht werden:

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    Die Planken werden an den Enden mit einer Kappe abgedeckt. Das Geländer und der untere Teil der Leiter habe ich aus Messing und Kuffer zusammengelötet. Das Handrad für die Bremse kommt aus meinem neuen Spielzeug, einem SLA-Drucker (Stereo-Litographie, das Werkstück wird durch schichtenweise Belichtung eines UV-härtenden Harzes erzeugt, Auflösung 0,05 mm):

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    Das Dach kann über zwei Scharniere aufgeklappt werden. Daher musste die Leiter zweiteilig ausgeführt werden. Das Oberteil der Leiter besteht aus PTFE und hat zum Unterteil hin Führungen:

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    Jetzt fehlen noch die Handläufe auf der Kanzel und ein paar weitere Details:

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    Die Bremse wird vorbildgerecht durch eine Kette angezogen, die sich um die Welle des Bremshandrades wickelt. Die Kette habe ich beim Modeschmuck gefunden.

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    Zu den "Details" zählen auch die marker lights (Zugschlussleuchten). in Nelsons "So you want to build a live steam locomotive" war dankenswerterweise eine vermaßte Zeichnung einer solchen Leuchte enthalten. Ich habe die dann in ein 3D-Modell umgesetzt und im SLA-Drucker erzeugt:

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    Die "Gläser" sind ebenfalls aus Harz gedruckt, sogar die Struktur in Art einer Fresnel-Linse ist ganz gut gelungen. Für mein erstes größeres Projekt mit dem SLA-Drucker ist das Ergebnis eigentlich ganz in Ordnung. Was noch fehlt ist die Halterung und der (steckbare) elektrische Anschluss, daran tüftele ich derzeit....

    Fortsetzung folgt....

    Andreas

  • Hallo Andreas

    Wunderschöner Modellbau, Gratulation!

    Wird das ein Modell fürs Wohnzimmer oder für draussen auf der Anlage?

    Mir graust es bei dem Gedanken was ein unbedachter Fußtritt mit deiner Arbeit anstellt.

    An meinen Bedienwagen sind diese Details alle längst „abgespielt“.

    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas

  • Hallo Thomas,

    der Wagen ist schon für die Anlage. Als Bedienwagen wäre mir das auch zu heiß, aber der Caboose hängt ja immer am Zugschluss, da ist die Umgebung nicht ganz so rau. Andererseits habe ich bei meinen Schweizer Wagen auch Geländer aus Messingröhrchen, die haben das bisher ganz gut durchgehalten. Ein bisschen Schwund ist halt immer. Schaun' mer mal.

    15885-img-5326-jpg

    Grüße

    Andreas

  • Das Problem mit der Steckverbindung habe ich mit 3,5mm-Klinkensteckern gelöst. Damit ist sowohl der elektrische Kontakt als auch die mechanisch Verrastung sichergestellt, denn die Zugschlusslaternen müssen beim Transport ins Körbchen. Auf der Wandseite habe ich mir ein Teil gedruckt, das in eine 10er Bohrung passt und einen rechteckigen Auslass hat. Dort wird die Buchse eingeklebt.

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    Das Gegenstück mit dem Stecker wird mit dem Unterteil der Laterne verklebt. Durch den Kragen an der Wand kann sich die Laterne nicht verdrehen, ist aber über den Klinkenstecker gegen Herausfallen gesichert. Für die Leuchtdiode hab' ich dann noch einen Sockel gedruckt, damit sie an ihrer Position bleibt:

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    In der endgültigen Version ist direkt an der Leuchtdiode der Vorwiderstand angelötet, damit ich die Laternen ohne weitere Schaltungen direkt an 12V anschließen kann. Die "Glasscheiben" waren mir farblich zu hell, deshalb habe ich vor dem Einsetzen noch eine Folie in rot bzw. grün vorgesehen (gibt's als Filterfolie für Videoleuchten). Damit bin ich jetzt zufrieden:

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  • Unter den Podesten für den Arbeitsplatz des Zugführers war ein Leerraum, der gefüllt werden wollte. Dazu habe ich neben der zentralen Aufstiegsleiter einen Schrank und Schubladen vorgesehen und natürlich gedruckt. Die Griffe stammen aus dem Bastelladen und sind zur Herstellung von Hals- und Armketten gedacht.

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    Der Stuhl für den Zugführer...

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    ...und damit er arbeiten kann, hat er natürlich auch einen Schreibtisch:

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    Im Anschluss an die Empore sind beidseits Kisten vorgesehen. Auf einer Seite ist dann der Ofen (Druckdaten von Thingiverse), damit die Insassen nicht frieren müssen:

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    In eine Kiste passt ein Bleigel-Akku und eine kleine Schaltung:

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    Auf der Unterseite habe ich unter dem Akku eine kleine Schalttafel angebracht, mit der die Beleuchtung angeschaltet und das Anheizgebläse versorgt werden kann:

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    Schließlich gibt es gegenüber dem Ofen eine kleine Toilette. Die Schüssel gab's bei Thingiverse, den Rest (Waschbecken mit Unterschrank sowie Klorolle mit Halter) hab' ich selber gezeichnet:

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    Den Wasserbehälter steuerte die Firma Agfa bei (erinnert sich noch jemand an die Filmdosen für KB-Filme?):

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    Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Beschriftung (und der Kohlenbehälter, die Kaffekanne auf dem Ofen und eine Kaffeetasse für den Zugführer...):

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    Fortsetzung folgt...

    Andreas

  • Langsam muss ich mich bei der Ausstattung des Caboose etwas bremsen, aber der Zugführer hat halt auch seine Bedürfnisse:

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    Der Kaffee wird standesgemäß auf dem Kohleofen gekocht...

    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da Sie keine Berechtigung haben, diesen Inhalt zu sehen. ...und der Ofen macht auch Rauch... Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da Sie keine Berechtigung haben, diesen Inhalt zu sehen.


    ... denn im Schornstein steckt ein LGB-Dampfentwickler. Beim letzten Post hatte ich ja eine kleine Schaltung in der Kiste erwähnt. Die besteht aus einem Microcomputer (Digispark), der aufgrund eines Drehzahlsensors an einer der Radwellen den Dampfentwickler für 90 Sekunden einschaltet, sobald der Caboose zum Stehen gekommen ist. Früher hätte ich das mit einem 555er gelöst, aber mit dem Digispark ist es einfacher (und der hat auch acht Beinchen :) ).

    Ofen, Kohlenkorb, Kaffekanne, Kaffeetasse und Teller kommen wieder als STL-Dateien von Thingiverse, wobei ich die letzteren sowie die Lampenschirme mit meinem Resin-Drucker gedruckt habe. Ob ich noch Messer und Gabel mache, weiss ich nicht....

    Fortsetzung folgt

    Andreas